Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

40 Tage

Vorarlberg / 09.02.2016 • 19:25 Uhr

Was nun: Das Nordsee-Seezungenfilet auf Krabbenrisotto oder doch lieber ein Thunfischtartar mit Mangos und Avocados? So unerbittlich der Beginn der Fastenzeit die oberen Zehntausend gleich wieder vor schwierige Entscheidungen stellt, so tröstlich klingt die Botschaft: Es wird auszuhalten sein in den kommenden 40 Tagen. Schließlich hat man ein Ziel vor Augen. Der Winter hat ja ganz schöne Verwüstungen angerichtet, raunzt der Spiegel. Und jetzt soll der Sommer sich nicht gleich wieder angewidert trollen, wenn man am Strand die Hüllen fallen lässt. Wie gut, dass das Angebot an Fastenkuren und Wegweisern zum eigenen Ich inzwischen so üppig ausfällt wie die Masse der Verlockungen in den Tagen der Maßlosigkeit. Worin liegt noch einmal der tiefere Sinn einer Fastenzeit? In den alten Tagen zogen sich die Büßer in die Wüste zurück, liest man in der Bibel. Ohne beheiztes Zelt und „Sundowner“. Sie haben eine Zeit lang existenzielle Not erfahren und wurden hellsichtig dabei. Da fragt man sich: Wie viel müssten wir wohl aus dem Weg räumen, wollten wir das nackte eigentliche Leben wieder einmal zu Gesicht bekommen?

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