Anstehen für Psychotherapie

Vorarlberg / 09.02.2016 • 21:18 Uhr
Anstehen für Psychotherapie

Die GKK forciert weiter das institutionelle Angebot. 500 Patienten zusätzlich behandelt.

Dornbirn. Genau 21,80 Euro pro Einheit erhalten Versicherte der Gebietskrankenkasse (GKK) als Zuschuss für eine Psychotherapie bei einem Wahltherapeuten. An diesem, aus dem Jahre 1992 stammenden Betrag wird sich so bald auch nichts ändern. Ungeachtet des Umstandes, dass andere Sozialversicherungen den Zuschuss inzwischen zum Teil deutlich erhöht haben. „Wir setzen weiter auf das Sachleistungsprinzip“, sagt GKK-Obmann Manfred Brunner. Das heißt, die GKK stellt die Psychotherapie als medizinische Dienstleistung zur Verfügung, und wer sie benötigt, kann sie in Anspruch nehmen. Dafür wurden die finanziellen Mittel im Oktober 2014 auf eine Million Euro verdoppelt, wobei das Geld vorrangig in die institutionelle Psychotherapie geflossen ist. „2015 haben mehr als 500 Patienten zusätzlich von dieser Maßnahme profitiert“, sieht Brunner keinen Anlass, das System zu ändern. Nicht wegzudiskutieren sei hingegen der steigende Bedarf an Psychotherapie.

Hoher Einsatz

Insgesamt gab die Gebietskrankenkasse im vergangenen Jahr 3,35 Millionen Euro für Psychotherapie aus. Über zwei Millionen Euro gingen an Ärzte, 350.000 Euro an Wahltherapeuten und eine Million Euro erhielten institutionelle Anbieter, allen voran das Institut für Sozialdienste (IfS) und die Krebshilfe. „Wenn wir schon so viel Geld in die Hand nehmen, dann soll jeder Euro zu 100 Prozent den Versicherten zugutekommen“, sieht Manfred Brunner dieses Ansinnen mit dem Sachleistungsprinzip gewährleistet. Eine Erhöhung des Zuschusses bringt seiner Ansicht nach für die Patienten keinen messbaren Vorteil, weil es nicht bedeute, dass die Leistung günstiger werde, denn die Wahltherapeuten können ihre Tarife frei bestimmen.

Therapie nach Dringlichkeit

Damit die niedergelassenen Psychotherapeuten trotzdem etwas vom größer gewordenen Kuchen haben, gibt es eine vertragliche Vereinbarung, laut der das IfS nicht nur angestellte, sondern eben auch Wahltherapeuten beschäftigen muss. Derzeit sind 13 angestellte und 22 niedergelassene Psychotherapeuten im Einsatz. Sie sehen sich laut Aussage von Manfred Brunner mit einem extremen Andrang an Hilfesuchenden konfrontiert. Die Erstabklärung erfolgt deshalb umgehend, die Therapie richtet sich nach der Dringlichkeit. „Aber es gibt Wartezeiten“, sieht der GKK-Obmann das Gesundheitssystem in diesem Bereich stark gefordert. Ein Ausbau soll aber ebenfalls über Institutionen abgedeckt werden. Den uneingeschränkten Zugang zu Psychotherapie lehnt Brunner ab, weil der Bedarf schwer zu definieren sei.

Der steigende Bedarf an Psychotherapie ist nicht wegzudiskutieren.

Manfred Brunner

Fakten

» 3942 Personen erhielten 2014 eine Kostenrückerstattung

» 4006 Personen erhielten 2015 eine Kostenrückerstattung

» 1476 Personen wurden 2014 durch das IfS psychotherapeutisch betreut

» 1987 Personen waren es im vergangenen Jahr