Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Der kleine Unterschied

Vorarlberg / 23.02.2016 • 20:12 Uhr

Es macht einen großen Unterschied, ob einer fragt: „Was gibt’s zu essen?“ Oder: „Gibt’s was zu essen?“ Das klingt jetzt aber allzu banal? Kommt ganz auf die Sichtweise an.

Im kleinen Paradies vor dem Arlberg werden beide Sätze von Jugendlichen wieder und wieder im selben Tonfall verwendet. „Was gibt’s?“, murmelt der Junior­chef und lüftet missmutig die Deckel der Töpfe. Dann zieht er im entweichenden Dampf ein Schnütchen und grummelt „Schon wieder Nudeln!“ Oder er kommt frisch vom Fußballplatz. Dann steckt er mit dem Satz „Gibt’s was zu essen?“ den Rüssel in den Kühlschrank und hat beim Fragezeichen schon die Hälfte inhaliert.

Wenn man den Rahmen aber weiter spannt, ändert sich die Aussagequalität dramatisch. „Was gibt’s zu essen?“, drückt im wohlhabenden Mitteleuropa oft genug die Ratlosigkeit einer übersättigten Gesellschaft aus, die sich längst daran gewöhnt hat, dass ein Supermarkt im Durchschnitt rund 13.000 Waren im Angebot führt. Steht hingegen in Asien oder Afrika die Frage „Gibt’s was zu essen?“ im Raum, beinhaltet sie auch die Möglichkeit eines Nein: Nein, heute gibt es nichts. Vielleicht morgen. Mag man sich das überhaupt vorstellen?

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