Ganz selbstbewusst in Größe 46 und mehr

Models sind schon lange nicht mehr nur dünn. Plus Size kommt immer mehr zum Tragen.
Bregenz. Eigentlich ging es Doris zuerst nur um Bilder. „Ich hatte noch nie so richtig gute Fotos von mir“, erzählt die 40-Jährige aus Düns. Schlussendlich landeten die Aufnahmen in der Kartei von Flamir Da Silva, der seit 2002 eine Agentur für „Plus Size Models“ führt. Heute ist Doris nicht nur Da Silvas Ehefrau, sondern auch ein gefragtes Model für Übergrößen. Ihre Konfektionsgröße, die zwischen 46 und 50 schwankt, trägt sie mit viel Selbstbewusstsein. „Das braucht es“, bestätigt Doris. Aber auch gute Freunde, die Familie und ein Job, in dem sie akzeptiert wird, wie sie ist, tragen dazu bei, dass sie zu ihrem Körper stehen kann. Außerdem hat sich modisch viel bewegt. „Früher gab es kaum lässige Kleidung in großen Größen“, erinnert sich Doris Da Silva. Inzwischen bauen immer mehr Markenhersteller auch auf dieses Segment.
Ausbildungslehrgang
Am vergangenen Wochenende absolvierte Flamir Da Silva mit vier seiner Plus-Size-Models einen Ausbildungslehrgang in Vorarlberg. Insgesamt finden sich rund 200 Übergrößen-Models in der Kartei des gebürtigen Brasilianers, der in den 1980er-Jahren auch bei der Team-Agentur in Dornbirn tätig war. Mittlerweile lebt er in Zürich und betreibt dort seine eigene Agentur. Am häufigsten werden seine Models für Modeschauen gebucht, die in Geschäften stattfinden. Es gibt auch bereits Fashion-Weeks für Plus-Size-Mode, etwa in New York und Zürich. Berlin wiederum hat mit der „Curvy“ die diesbezüglich größte Fachmesse zu bieten.
Ihren Ausgang nahm die Plus-Size-Bewegung vor gut 25 Jahren in Deutschland. Plus Size bezeichnet Konfektionsgrößen ab 40 bis 44 sowie 44 bis 52. Zum Vergleich: Fashion-Models dürfen maximal in Kleider der Größe 34 bis 36 passen. Neid kommt bei den Plus-Size-Damen deshalb aber nicht auf. „Sie gehen ihren Weg, und wir gehen unseren Weg“, sagt Doris. Der Weg ist in beiden Fällen gleich hart. Denn Modeln ist Knochenarbeit. Was auf dem Laufsteg so leicht und locker daherkommt, muss in unzähligen Übungsstunden erarbeitet werden. Loslaufen, nur nach vorne schauen, stoppen, Pose für die Kameras, umdrehen, zurücklaufen: Wie ein Stakkato wiederholt Flamir Da Silva die Anweisungen, zu denen er vorher selbst über den fiktiven Laufsteg getänzelt ist. Als Choreograf weiß er, worauf es ankommt. Seine Bewegungen sind anmutig, sogar mit Turnschuhen an den Füßen. Auch Doris sowie Katia und Suada, beide schon mit einem Miss-Plus-Size-Titel geadelt, sind bereits erfahrene Models. Bibiana hingegen ist neu im Geschäft. Die ersten Schritte fallen ihr schwer, doch sie lernt schnell.
Ein Lächeln darf sein
Was bei Plus-Size-Models aber nicht geht, ist, die Hände auf den Hüften aufzustützen. „Ihr habt nicht 90-60-90“, gibt Da Silva zu bedenken, dass die Silhouette in dieser Pose nur noch breiter wirkt. Deshalb gilt: Hände locker neben dem Körper fallenlassen. Dafür dürfen Plus-Size-Models im Gegensatz zu Fashion-Models lachen. „Wir müssen sympathisch sein“, schärft der Experte den Frauen ein. Denn Übergewicht und Frauen, die damit auch noch über Laufstege stöckeln, sind längst nicht umfassend akzeptiert. Das ist es jedoch, was Flamir Da Silva erreichen möchte. 2015 veranstaltete er in Österreich erstmals eine Plus-Size-Misswahl. Seitdem gibt es Plus-Size-Missen in allen Bundesländern, außer in Vorarlberg. „Es haben sich zwar viele gemeldet, aber dann zogen alle ihre Meldungen zurück, weil sie sich vor den Reaktionen des Umfelds fürchteten“, berichtet Da Silva. Heuer wird die Plus-Size-Misswahl trotzdem in Vorarlberg stattfinden.
