Heimische Kost auf Patiententellern

Die Regionalitätsstrategie macht Ausschreibungen zum Spagat und den Einkauf teurer.
Feldkirch. Regional einkaufen, aber EU-weit ausschreiben müssen: Die von Land und Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) gemeinsam erarbeitete Regionalitätsstrategie, wonach in den Krankenhäusern möglichst heimische Kost auf die Patiententeller zu kommen hat, verlangt dem Einkauf einen ordentlichen Spagat ab. „Wir wollen regionale Lieferanten, brauchen aber gleichzeitig Ausschreibungsrichtlinien, die für andere Anbieter nicht diskriminierend wirken“, erläutert Peter Reinisch die Schwierigkeit. Seit bald vier Monaten ist er mit seinem Team und externen Rechtsberatern damit beschäftigt, die Vergabekriterien für Fleisch und Wurst in diesem Sinne auf den Punkt zu bringen. Und er steht dabei erst am Anfang. Denn die gleiche Prozedur kommt auch bei Brot, Milch, Milchprodukten, Käse, Gemüse und Obst sowie alkoholfreien Getränken auf ihn zu. Zusammen mit Frischfleisch und Wurst zählen diese Warengruppen zu den größten Lebensmittel-Budgetposten in den Spitälern.
Hieb- und stichfeste Verträge
Pro Jahr fließen rund 3,8 Millionen Euro in den Ankauf von Lebensmitteln für die Landeskrankenhäuser. Die Ausschreibung mit dem geschätzten Auftragswert umfasst zwar nur drei Jahre. Sie enthält aber immer die Möglichkeit der Verlängerung auf weitere zwei Jahre. „Deshalb müssen die Kosten für den gesamten Zeitraum kalkuliert werden“, erklärt Peter Reinisch, der den zentralen Einkauf leitet. Das hat mitunter Vergabesummen zur Folge, die deutlich über dem liegen, was die ausschließliche regionale Bekanntmachung einer Ausschreibung ermöglichen würde. „Diese Grenze liegt bei 209.000 Euro“, sagt Reinisch. Jeder Cent mehr verlangt ein EU-weites Verfahren. Den Schwellenwert durch Teilung der Aufträge zu verringern, lässt das strenge Vergabegesetz nicht zu. „Deshalb braucht es hieb- und stichfeste Verträge“, spricht Peter Reinisch in diesem Zusammenhang von einem jetzt deutlich höheren administrativen Aufwand. „Als Großunternehmen sind wir an das Vergabegesetz gebunden“, ergänzt KHBG-Direktor Gerald Fleisch. Trotzdem werde alles getan, um der Regionalität so gut es geht zu entsprechen.
Preis und Qualität
Wie bei allen Ausschreibungen wendet die KHBG auch im Lebensmittelbereich das Bestbieterverfahren an. Erstes Kriterium neben dem Preis ist laut Peter Reinisch die Qualität. Um möglichst viel Wertschöpfung innerhalb der Grenzen zu halten, müssen Produkte künftig mindestens das AMA- oder ein ähnliches Gütesiegel aufweisen. Auch die Transportwege sind in diesem Spiel ein wichtiger Faktor. „Der Nachteil eines langen Transports lässt sich im Grunde nur über den Produktpreis ausgleichen. Andererseits sind die Kriterien etwa des AMA-Gütesiegels so hoch, dass Fleisch eigentlich gar nicht billiger angeboten werden kann“, sieht Reinisch hier den wirksamsten Ansatz, Regionalität auf die Überholspur zu bringen. Bei allen Waren funktioniert das aber nicht. So ist zwar Kalbfleisch zu 100 Prozent im Land verfügbar, Hühner-, Schweine- und Rindfleisch hingegen nur zum Teil. Auch Biogemüse gehört in letztere Kategorie. „Mit dem, was hier vorgefertigt geliefert werden kann, lässt sich nicht einmal das Salatbuffet bestücken“, verdeutlicht Küchenleiter Markus Adlassnig.
Höhere Kosten
Am einfachsten wäre die ganze Sache, könnte mit heimischen Produzenten und Lieferanten direkt verhandelt werden, wie das etwa bei Nudeln der Fall ist. Da jedoch die meisten Warengruppen das Preislimit überschreiten, müssen aufwendige Ausschreibungen fabriziert werden. Die erste Ausschreibung, nämlich jene für Fleisch und Wurst, geht nach wochenlangen Vorbereitungen demnächst hinaus. Liegen die Angebote vor, prüft die KHBG mit ihren Experten, welche infrage kommen. Sicher ist jetzt schon, dass es mehr Geld für Lebensmittel braucht. Um wie viel mehr, lässt sich laut Reinisch jedoch noch nicht sagen.
Pro Tag werden in der Zentralküche des Landeskrankenhauses Feldkirch 2200 Mittagessen hergestellt. Da bleibt keine Zeit, kiloweise Kartoffeln zu schälen, die zweimal pro Woche auf dem Menüplan stehen. Deshalb kommen die meisten Produkte schon essfertig ins Haus. „Diese Convenience-Lebensmittel gibt es auch in der Spitzengastronomie“, merkt Gerald Fleisch dazu an. Er will auch gesagt haben: „Wir bekennen uns zur Regionalität, ein Krankenhaus ist aber kein Gasthaus.“ Die Finanzmittel sieht er im medizinischen Bereich besser aufgehoben. Doch schlecht scheint das Essen im Spital nicht zu sein, zeigen sich doch 85 Prozent der Patienten in Umfragen zufrieden damit.
Die Regionalitätsstrategie gründet maßgeblich auf einem VN-Bericht. Dass Hühnerfleisch aus Rumänien in den Vorarlberger Spitälern verarbeitet und Patienten serviert wird, kam bei den politisch Verantwortlichen nicht gut an. Höhere Kosten würden für mehr heimische Produkte gerne in Kauf genommen, heißt es jetzt.
Als Großfirma sind wir an das Vergabegesetz gebunden.
Gerald Fleisch

Gesamtkosten
» Lebensmittelkosten:
3,8 Millionen Euro jährlich
» Frischfleisch/Wurst:
rund 500.000 Euro
» Brot: 250.000 Euro
» Milch- /Milchprodukte:
350.000 Euro
» Käse: 180.000 Euro