Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Bilder des Jahres 2016

Vorarlberg / 02.03.2016 • 19:55 Uhr

Es hat ja doch alles Platz im täglichen Medienzirkus. Die Oscar-Nacht und der Herr Lugner im Wahlkrampf, das neueste 1500-PS-Auto, das keiner braucht, und die Bilder von der Grenze. Zwischen Griechenland und Mazedonien.

Hässliche Bilder sind das. Zäune werden niedergerissen, Polizisten gehen mit Schild und Knüppel vor. Tränengas in Kinderaugen, Hass und Verzweiflung. „Alles inszeniert“, schreit der Boulevard, die verschreckten Kleinen „wurden nur vorgeschoben“. Ein jeder weiß es noch besser, aber eigentlich weiß keiner wirklich Bescheid. Und will es ja auch gar nicht. Denn das sind die Bilder, an die wir uns werden gewöhnen müssen. Das ist der Preis für den Status quo im Land.

Seit Europa den Gedanken der transnationalen Solidarität ausgeträumt hat und wieder Festungen errichtet, seit wir aufgehört haben, für das Wort Zaun bekömmlichere Synonyme zu suchen, wissen wir das. Die Menschen werden nicht einfach kehrtmachen. Wer monatelang auf dem Weg war, dreht vor einem „Stopp“-Schild nicht um. Diese Flüchtlinge haben wenig zu verlieren. Sie werden kämpfen. Und der Preis für unseren wohlständigen Alltag ist es, dass wir sie besiegen. Draußen an der Grenze. Das sind die Bilder des Jahres 2016.

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