Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Mach, dass es weggeht

Vorarlberg / 08.03.2016 • 19:18 Uhr

Bei Kindern, die in ihrer Erziehung noch nicht durch Internet und Fernsehen ernüchtert wurden, kann man diese Geste beobachten: Wenn sie etwas angestellt haben, zum Beispiel, oder wenn Gefahr droht. Dann schlagen sie die Hände vor die Augen und wähnen sich unsichtbar.

Oder sie flehen in grenzenlosem Vertrauen: „Mach, dass es weggeht.“ Wen auch immer sie darum bitten – der kann das bestimmt. Sie zweifeln nicht. Der kann ja auch sonst alles. Die besten Pausenbrote schmieren, die Geister vor dem Einschlafen vertreiben … Nur ein Erwachsener fürchtet den verstörenden Morgen, der solche Allmachtsfantasien zerstäubt und die Wahrheit ans Licht bringt.

„Populismus“, sagen manche heute, müsse eigentlich etwas Gutes sein. Schließlich stehe das lateinische Wort für „Volk“ Pate. Zur Untermauerung wird der Hausverstand kurzerhand als „Volkes Wille“ missbraucht und drohend angefügt: „Die da oben“ würden das auch bald lernen. Sie sagen das so bestimmt, als halte sich das Volk angesichts der Flüchtlingskrise die Hände vors Gesicht und warte nur darauf, dass endlich einer kommt, der macht, dass es weggeht. Dann würde alles wieder heil. Sie sagen das, als ob es kein Morgen gäbe.

redaktion@vorarlbergernachrichten.at