Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Die erste Runde

Vorarlberg / 23.03.2016 • 19:11 Uhr

Der Abend fand den Helden dann reichlich zerrüttet vor. Hustend und keuchend schleppte er sich aufs Kanapee, um sich daselbst zum Sterben niederzulegen. Sein letzter Wille – Decken, vollständige Stille und innige Zuwendung – wurde vom Rest der Familie geflissentlich ignoriert.

Als kämpfte da nicht das Zentrum ihres Universums ums Überleben, gingen alle ihrer gewohnten Tätigkeit nach. Statt des ersehnten Cognacs verirrte sich ein Glas Kräutertee an sein Sterbebett. Verbal gewürzt von der Überbringerin. Sie hatte es vorhergesagt. So wie sie überhaupt das meiste Unheil, das er frontal anzustreben pflegte, vorhersah. Aber nein! Salomons Katz’ wurde bemüht, indes er sich eigentlich gar nicht „g’schied“ vorkam.

Aber glücklich. Denn durch den fiebrigen Nebel seiner kümmerlichen Existenz waberten Bilder und Töne. Ein satter 500er-Zweizylinder war da zu hören, eben aus dem Winterschlaf erwacht. Er sah sich selber wieder die ersten Kurven der Saison fahren. Er hörte sich jauchzen vor Freude. Und das zwang ein verklärtes Lächeln in seine Züge. „Jetzt hat er auch noch Fieber“, konstatierte die Stimme jenseits der Nebelwand und fügte an: „Ein so ein unvernünftiger Depp, ein unvernünftiger!“ Es war in der Tat saukalt gewesen auf dem Motorrad. Fazit: Depp? Ja. Unvernünftig? Auch. Aber glücklich.

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