In Dur und Moll
Mit ziemlicher Sicherheit hat der studierte Musiklehrer und Dirigent, der sich eben anschickt, Innenminister zu werden, die plattesten Witze schon hinter sich. Von wegen, er werde – wem auch immer – den Marsch blasen oder die Flötentöne beibringen. Vielleicht haben sich vereinzelt Kommentatoren inzwischen in einem ernsthafteren Ton gefragt, ob das dissonante Asylkonzert Europas nicht gerade einen Dirigenten brauchen könnte. Zumindest steht zu hoffen, dass bald nicht mehr herumerzählt wird, Wolfgang Sobotka sei auf diesen Posten entsorgt worden.
Geht das denn überhaupt? Jemanden in diesen Tagen, die dem Innenministerium mehr Bedeutung beimessen als in den 30 Jahren zuvor, einfach in die Herrengasse 7 zu entsorgen? Gut, früher vielleicht, als die niederösterreichische Landesregierung noch nebenan residiert hat, kam das dem berühmten „einmal Umfallen“ gleich.
Aber vielleicht muss man Personalrochaden dieser Art überhaupt auf lange Sicht betrachten. Weniger vorwärts als rückwärts gewandt: Als sich Karl Renner im November 1918 daran machte, die kurzlebige erste Republik zu regieren, richtete er ein „Ministerium für Inneres und Unterricht“ ein. Insofern mag es hier einen Lehrer schon leiden. Und außerdem hat das Palais Modena eine entzückende Kapelle. Für den Fall, dass nur noch beten hilft.
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