Wer wählt wohl was?
Wenn man bedenkt, mit welcher Hingabe das Bundespräsidentenamt jahrelang als zu teuer, verzopft, altmodisch, gar als ersatzkaiserlich geschmäht wurde, reibt man sich verwundert die Augen. Heute scheint selbst eine ordentliche Wahlbeteiligung in Reichweite.
Die betrug übrigens bei der ersten Wahl eines Bundespräsidenten durch das Volk 1951 noch sagenhafte 97 Prozent. Zuletzt kroch sie 2010 nur mehr mithilfe der Briefwähler bundesweit schlapp über die 50-Prozent-Marke.
Was macht den anstehenden Wahlgang so anders? Die Vielzahl der Kandidaten? Die Sehnsucht nach einer moralischen Instanz? Oder nach dem Kasperl, der den Regierenden mit der Klatsche eins überbrät? Werden alle am Sonntag auch wirklich den Präsidenten wählen? Oder verwandeln viele den Stimmzettel durch ihr Kreuz in einen Denkzettel für jene, die gar nicht zur Wahl stehen? Werden wir uns anderntags verwundert die Augen reiben? Seit Waldheim war eine Präsidentenwahl nicht mehr so spannend. Und Heinz-Christian Strache wollte das Amt schon einsparen, im Dezember 2009. Da wäre uns ja richtig was entgangen …
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