Wartezeiten bis zu einem Jahr

Bei Mandel-OPs müssen sich Patienten gedulden. Kooperation mit LKH Bludenz.
Feldkirch. Wartezeiten bei planbaren Eingriffen gehören zum Krankenhausalltag. Besonders viel Geduld ist derzeit bei Mandeloperationen gefordert. Im Landeskrankenhaus Feldkirch müssen Patienten bis zu einem Jahr auf einen Termin warten. Hauptgrund ist die Herausnahme von Tonsillektomien aus dem Leistungskatalog der Tageschirurgie. Daher dürfen an Spitälern ohne HNO-Abteilung keine Mandeloperationen mehr durchgeführt werden. Das hat eine Konzentration von HNO-Patienten im Landeskrankenhaus Feldkirch zur Folge.
„Wir sind aber um einen Abbau der Wartezeiten bemüht“, erklärte Primar Wolfgang Elsäßer auf VN-Nachfrage. Unter anderem will man freie OP-Kapazitäten im Landeskrankenhaus Bludenz nützen. Die Eingriffe selbst würden von Ärzten der HNO-Abteilung Feldkirch durchgeführt. Jährlich könnten bis zu 150 Patienten mit anderen HNO-Erkrankungen in Bludenz operiert werden. Gespräche zum Abschluss einer Kooperation laufen. „Die Mandeln bleiben in Feldkirch“, sagt Elsäßer. Im vergangenen Jahr wurden dort 260 Mandeln operiert, 2010 waren es noch 300.
Gefährlicher Eingriff
Vor gut zweieinhalb Jahren hatte der Bundesrechnungshof die Krankenhäuser im Land geprüft und unter anderem bei verschiedenen Eingriffen zu geringe Fallzahlen moniert. Dazu gehörten auch die Tonsillektomien. Ein anderer Grund für die Herausnahme aus dem tageschirurgischen Leistungskatalog war die Gefährlichkeit des Eingriffs speziell bei Kindern unter sechs Jahren. „Vor einigen Jahren kam es in Österreich innerhalb von zwölf Monaten zu sechs Todesfällen“, verdeutlicht Wolfgang Elsäßer. Das große Risiko besteht hauptsächlich im Auftreten von Nachblutungen. HNO-, Kinder- und Anästhesieärzte setzten sich deshalb zusammen und formulierten neue Leitlinien. Nach Möglichkeit werden Kleinkinder nun nicht mehr oder nur unter strengsten Auflagen operiert. Ist ein Eingriff notwendig, bleiben die jungen Patienten mindestens eine Woche im Krankenhaus, um bei etwaigen Nachblutungen sofort eingreifen zu können. „Auch die Eltern werden entsprechend aufgeklärt“, betont der Leiter der HNO-Abteilung.
Die Mandeln prägen bis zum sechsten Lebensjahr das Immunsystem der Kinder mit. Danach sind sie für den Körper bedeutungslos. Erkrankt ein Kind jedoch sechs Mal im Jahr an einer Angina und in den darauffolgenden Jahren immer wieder, müssen die Gaumenmandeln heraus. Öfter geht es bei Eingriffen an den Mandeln um deren Verkleinerung. „Die Kinder bekommen sehr schlecht Luft durch die Nase, sie haben Schluckprobleme und schnarchen extrem“, spricht Wolfgang Elsäßer in diesem Zusammenhang jedoch von einer ungefährlichen und schmerzlosen Operation.
OP-Spange als Entlastung
Notfälle, die nach dem Auftreten unverzüglich unters Messer müssen, sind Mandelabszesse, die vor allem bei Erwachsenen auftreten. „Dringende Eingriffe werden immer vorgezogen und unmittelbar behandelt“, versichert Wolfgang Elsäßer. „Niemand wartet gerne“, räumt er weiter ein. Die meisten Patienten zeigen aber Verständnis. Dennoch wäre er sehr froh, nach Bludenz ausweichen zu können. Auch die in Feldkirch im Bau befindliche neue OP-Spange soll helfen, den Engpass zu lindern und Entlastung bringen.
An Personal mangelt es dem HNO-Primar laut seinen eigenen Aussagen nicht. Vielmehr sind es das neue Arbeitszeitgesetz („Wenn ich um halb vier aus dem OP hinaus muss, kann ich um drei keinen Patienten mehr hineinlegen“) und der Mangel an Operationskapazitäten, die die Warteliste wachsen lassen.
Kleinkinder werden möglichst nicht mehr oder nur unter strengsten Auflagen operiert.
Wolfgang Elsäßer
