Ganz schön Banane
Als der US-amerikanische Schriftsteller O. Henry 1904 in seiner Novelle Cabbages and Kings („Kohlköpfe und Könige“) den Begriff Bananenrepublik prägte, hatte er keineswegs Österreich vor Augen. Er dachte an Honduras, wo der Einfluss eines großen Südfruchtexporteurs („Chiquita“) die Regierung zum lächerlichen Marionettentheater degradierte.
Der Name „Chiquita“ führt übrigens in die Irre. Das gewaltige Bananenimperium mit heute 20.000 Mitarbeitern hat seinen Sitz in Cincinnati. „Chiquita“ aber ist spanisch und heißt so viel wie kleines Mädchen. Den kleinen Leuten galt O. Henrys ganze Aufmerksamkeit. Seine Kurzgeschichten kreisten um die Verlierer. Die Ladenmädchen, die heruntergekommenen Künstler, die Säufer. Dass O. Henry ihnen meist ein Happy End komponierte, gleicht die Wirklichkeit nicht aus. Aber es träumt sich schöner.
Wenn Österreich dieser Tage den Status einer Bananenrepublik für sich beansprucht, dann nicht, weil wir uns an einen Konzern verkauft hätten. Gut, heute diktiert meist nur noch Profitmaximierung das Handeln und nicht die politische Vision, das stimmt schon. Und, ja, ein bisserl schlampig sind wir auch. Ein bisserl sehr mitunter. Das Wählen lernen wir deshalb gerade. Nur Bananen haben wir keine. Aber das ist auch gut so. Sonst hätten die selbsternannten Retter des Vaterlands sie längst zum Kronzeugen irgendeiner hundsgemeinen EU-Bestimmung gemacht, und am Ende stünden jetzt wir vor dem Scherbenhaufen eines feucht-fröhlich herbeigestimmten Öxit.
Denn ein bisserl dumm, fürcht’ ich, sind wir leider auch.
redaktion@vorarlbergernachrichten.at
Kommentar