Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Nur ,,Darum“ ist zu wenig

Vorarlberg / 20.07.2016 • 20:35 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

„Warum“ ist ein teuflisches Wort. Die Frage lässt schon Kinder alt aussehen. Der Vater nimmt – in die Enge getrieben – rasch Zuflucht in ein ebenso verräterisch wie derb unterstrichenes „Darum“. Das Nachbarskind hält sich mit der Antwort erst gar nicht auf und sackt die Sandschaufel einfach ein. Auch die Schule enttäuscht. Mathe-Lösungshefte heißen nicht nur so. Sie verraten das Ergebnis, nicht aber den Weg dorthin. Und Lehrer pflegen gerade auf diesen Nebensächlichkeiten peinlichst genau herumzureiten.

 

Das „Warum“ lässt den Fragesteller meist ratlos zurück. Und doch kann er nicht davon lassen. Warum findet der Sommer kein dauerhaftes Einsehen? Warum donnern neuerdings Fußgänger mit sturem Blick auf ihr Handy gegen Laternenmasten? Warum pflanzen die Briten mit dem verhaltensoriginellen Außenminister wieder einen Reibebaum in den verwilderten europäischen Garten? Warum drängt Terror Menschen zur Tat? Haben Terroristen denn keine Kinder? Woher der ganze Hass? Warum das alles?

 

Aber eine Frage, die so selten befriedigende Antworten erzeugt, wird mit der Zeit stumpf. Irgendwann wird sie nicht mehr gestellt. Das wirkt sogar befreiend. Ist das „Warum“ erst einmal über Bord geworfen, gehört den Machern die Welt. Dann geht’s volle Fahrt voraus. Vom Grübeln ins Tun. Ohne Umschweife. Und alle Lemminge hatschen dankbar hinterher. Die US-Amerikaner stellen es anschaulich unter Beweis: „Erst schießen, dann fragen.“ Das „Warum“ macht die Welt keinen Deut einfacher. Aber an dem Tag, da wir nicht mehr fragen, hat das „Darum“ gewonnen.

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