Expansionsgelüste statt Übernahme

28.07.2016 • 16:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Laboranalysen sind ein wichtiger Teil der modernen medizinischen Diagnostik. In Vorarlberg wird das Angebot neu geordnet.
Laboranalysen sind ein wichtiger Teil der modernen medizinischen Diagnostik. In Vorarlberg wird das Angebot neu geordnet.

GKK beendet Vertrag mit Labor Stangassinger. Dieses sucht nun neue Firmenform.

dornbirn. Rund 8,4 Millionen Euro bezahlte die Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) im vergangenen Jahr für Laborleistungen. Der Großteil des Geldes wurde an das Labor von Dr. Alois Stangassinger in Dornbirn überwiesen. Der Vertrag läuft noch bis 31. Dezember 2017. Dann will die GKK die Zusammenarbeit mit dem privaten Anbieter beenden. „Die Kündigung ist von den zuständigen Gremien bereits beschlossen“, sagte GKK-Obmann Manfred Brunner gegenüber den VN. Zum einen sind es Altersgründe, Stangassinger wird im kommenden Jahr 70, zum anderen erhofft sich die Gebietskrankenkasse durch eine Kooperation mit dem Medizinischen Zentrallabor (MZL) in Feldkirch auch Kosteneinsparungen durch günstigere Laborpreise.

Neue Firmenform

Der Vertrag wird laut Brunner auch dann nicht verlängert, wenn das Labor, für dessen Wohl und Wehe der Inhaber derzeit allein haftet, eine andere Rechtsform erhält. Genau das ist aber geplant und bereits auf Schiene, wie der Rechtsvertreter von Alois Stangassinger, Mag. Nicolas Stieger, auf VN-Nachfrage erklärt. „Das Labor soll in eine GmbH umgewandelt werden, um österreich- und EU-weit expandieren zu können“, erklärt er. Damit will der Bregenzer Anwalt Gerüchten den Wind aus den Segeln nehmen, wonach es Übernahmeverhandlungen mit dem MZL gibt. Er bestätigt allerdings Gespräche mit Gesundheitslandesrat Christian Bernhard über mögliche Beteiligungsmodelle. Bei einer weiteren Verhandlungsrunde sollen auch Vertreter der Ärztekammer, der GKK sowie des Medizinischen Zentrallabors mit am Tisch sitzen.

GKK-Obmann Manfred Brunner vertritt die Meinung, dass die Übernahme des Standorts in Dornbirn durch das MZL die beste Lösung darstellen würde. Damit wären auch die Arbeitsplätze gesichert. Momentan sind im Labor Stangassinger etwa 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Doch dieses Ansinnen weist Nicolas Stieger in Vertretung seines Mandanten weit von sich. Ziel bleibe die Selbstständigkeit und in weiterer Folge die Expansion. Nicht nur dafür braucht es die Umfirmierung. Die derzeitige Struktur als Ordination verhindert die Anstellung eines Arztes. Mit der Erreichung der Altersgrenze des Inhabers benötigt das Unternehmen jedoch einen Laborarzt.

Mengenkomponente

Das Labor Stangassinger deckt den Bedarf an Analysen vorrangig im niedergelassenen Bereich ab. Pro Tag verlassen Diagnosen für 500 bis 800 Patienten das Labor. Aber auch das Krankenhaus Dornbirn nimmt trotz einer eigenen Einrichtung zuweilen die Dienste des privaten Labors in Anspruch. Zum Vergleich: Im MZL liegt das Analyseaufkommen bei etwa fünf Millionen jährlich. Diese Mengenkomponente war auch für die GKK ausschlaggebend, den Zusammenschluss mit dem MZL zu suchen. Bezahlt werden die Laborleistungen nämlich aus dem Topf der ärztlichen Gesamtvergütung.

Die Kooperation mit dem MZL bringt günstigere Laborpreise.

Manfred Brunner