Nirgends ist die Luft reiner
„Wia haaßt des? Buschla?“ Aha, sind also wieder da! Als zögen Kraniche ins Land, kommen sie jeden Sommer, die Damen und Herren, die damals gleich in Wien geblieben sind. Haben diesmal ihre Brut mitgebracht und jetzt wäldern sie so wild drauflos, dass selbst der Heimatdichter im Langzeitgedächtnis kramen muss. Was sich so alles konserviert hat für den akuten Identitätsnotfall in der Fremde…
Heimatbesuche gehorchen oft einer strengen Gesetzmäßigkeit. Wochen davor: Die Zeit der Verklärung. Nirgends ist die Luft reiner, der Himmel höher, das Gras grüner als daheim. Ein Hoch der Scholle und dem Herd. Und die Großstadt? Entsetzlich! Der Verkehr, dieser Lärm, so ein Smog! Heimkehrer zählen die Stunden. Ihren Sprösslingen graut vor dem Dialektcrashkurs, der jetzt über sie hereinbricht. Der Ähne soll schließlich nicht in Ohnmacht fallen, wenn die Moatl den Mund auftut.
Sodann der eigentliche Aufenthalt: Die Ouvertüre Verzückung, der erste Satz Herzenswärme, ab dem zweiten Satz aufkeimende Ernüchterung. Wie hatte man das damals noch begründet? Einfach zu eng? Zu klein? „Too small?“ (Nein, da kann es nur einen geben.)
Dritte Phase: Rückkehr in die Großstadt. Auf der Stadtautobahn fünf Oldies „versägat“, Radfahrern den Vorrang stibitzt, den letzten Parkplatz ergattert – prächtig! Und auch die Kinder entspannen sich. Vater fährt zwar noch immer wie ein Wäldar, aber man versteht ihn wieder. Auch wenn der Text, der nach zwei Tagen wieder einsetzt, nicht neu ist: Nirgends ist die Luft reiner, …
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