Hightech-Babys in der Mini-Intensivstation

Vorarlberg / 12.08.2016 • 18:34 Uhr
Während der Übung ist das Team auf sich gestellt. Fotos: khbg
Während der Übung ist das Team auf sich gestellt. Fotos: khbg

Ärzten und Pflegern steht im LKH Feldkirch ein Simulationszentrum zur Verfügung.

feldkirch. Das kleine Wesen ist nicht aus Fleisch und Blut, obwohl der erste Blick durchaus täuschen könnte, so echt sieht es aus. Dennoch kann die Babypuppe, die auf dem Behandlungstisch eines nach Mini-Intensivstation anmutenden Zimmers liegt, strampeln, schreien, jammern und sogar Atem- und Herzbeschwerden anzeigen. Indikationen, die in der Kinder- und Jugendabteilung des Landeskrankenhauses Feldkirch beinahe Alltag sind. Trotzdem werden die in Notfällen erforderlichen medizinischen Handgriffe immer wieder geübt. Dem Ärzte- und Pflegepersonal in Feldkirch steht dafür ein Simulationszentrum zur Verfügung.

Alle müssen durch

Die Pädiatrie hat diese Fortbildung für ihre Mitarbeiter sogar zur Pflicht erhoben. „Vom Pflegehelfer bis zum Primar durchläuft jeder einmal im Jahr diese Simulation“, sagt OÄ Barbara Seidel, die mit den Kinderintensiv-Pflegern Thomas Marte und Gerhard Aspalter das Instruktorenteam stellt. Der Leiter der Abteilung, Primar Burkhard Simma, war selbst schon drei Mal dabei und ist von der Wirksamkeit der Maßnahme überzeugt. Deshalb will er die Simulation für seine Turnusärzte zu einem Ausbildungsbestandteil machen.

Die im zweiten Stock des Krankenhauses gelegenen Räumlichkeiten gleichen tatsächlich einer kleinen Intensivstation. „Es sind alle Hilfsmittel da, die auch bei einem echten Einsatz gebraucht würden“, erzählt Barbara Seidel. Selbst ein Beatmungsgerät ist vorhanden. Schließlich soll die Übung so realitätsnah wie möglich ablaufen. Dazu gehört auch ein Notfallszenario, das den Puppen jeweils auf den Leib geschrieben wird. Es gibt sie in drei Größen, vom Neugeborenen bis zum Schulkind. Gut 30.000 Euro kosten diese Hightech-Patienten.

Selbsterkenntnis

Weiters gibt es eine Audio-Video-Anlage, die die Übung für die anschließende Nachbesprechung aufzeichnet. Barbara Seidel bezeichnet diesen Teil als den wichtigsten. Dabei gehe es nicht um Leistungserfassung, sondern um Selbsterkenntnis und darum, Wissen in komplexen Situationen richtig umzusetzen, betont sie. Denn: „Ein Fehler sollte nicht zum Desaster werden.“ Dabei muss neben jedem Handgriff vor allem die Kommunikation stimmen. „Oft sind die Leute erstaunt, was sie im Eifer überhört oder nicht gehört haben“, weiß Seidel von so manchem Aha-Effekt, den Nachbetrachtungen schon bescherten. Primar Burkhard Simma ergänzt: „Technik ist das eine, der Umgang miteinander das andere.“ Je besser, umso konstruktiver die Zusammenarbeit. Denn über allem steht das Ziel, durch die Optimierung von Abläufen die Sicherheit der ihnen anvertrauten Patienten zu erhöhen. Was Barbara Seidel noch mit Stolz und gleichzeitigem Dank an die Spitalsleitung anmerkt: „Wir sind das einzige Krankenhaus in Österreich, das diese Fortbildung in der Regelarbeitszeit durchführen kann.“

In der Anästhesie gehört die Simulation von Notfällen seit Jahren zum Standardtraining. In der Pädiatrie hat sie sich inzwischen ebenfalls etabliert, und auch die Gynäkologie und Geburtshilfe bedient sich mittlerweile dieses Angebots. Jetzt möchten die Organisatoren mehr, nämlich hinaus aus dem stillen Kämmerlein und hinein in die Stationen, eben dorthin, wo sich die Wirklichkeit abspielt. Auch die Ausweitung auf andere Spitäler spukt dem engagierten Team bereits im Kopf herum. Um die dafür benötigte mobile Audio-Video-Anlage ist bereits angesucht.

Die Simulation soll so realitätsnah wie möglich ablaufen.

Barbara Seidel
Burkhard Simma, Barbara Seidel, Thomas Marte und Gerhard Aspalter (v. l.): Training wird ernst genommen.
Burkhard Simma, Barbara Seidel, Thomas Marte und Gerhard Aspalter (v. l.): Training wird ernst genommen.
Burkhard Simma, Barbara Seidel, Thomas Marte und Gerhard Aspalter (v. l.): Training wird ernst genommen.
Burkhard Simma, Barbara Seidel, Thomas Marte und Gerhard Aspalter (v. l.): Training wird ernst genommen.
Hightech-Babys in der Mini-Intensivstation