„Dutzende wären bereit, Österreich zu verlassen“

22.08.2016 • 18:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der offene Brief der NBZ an den Landeshauptmann liegt den VN vor.
Der offene Brief der NBZ an den Landeshauptmann liegt den VN vor.

NBZ greift Minister Kurz an und spricht von „Feindseligkeit gegenüber der Türkei“.

Bregenz. Adnan Dincer ist in Vorarlberg kein Unbekannter. Er trat mit seiner Liste „Neue Bewegung für die Zukunft“ (NBZ) bei Landtagswahlen an, in der Vollversammlung der Arbeiterkammer stellt die NBZ vier Mitglieder. Dincer selbst ist Kammerrat und damit AK-Vorstandsmitglied. Seine letzte Nachricht auf der eigenen Homepage schrieb er am 22. Juli. Darin fordert er sachliche Debatten. Knapp einen Monat später hallen andere Worte aus seiner Fraktion. Die NBZ richtete einen offenen Brief an die Klub­obleute im Landtag und an den Landeshauptmann. Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) wird scharf kritisiert, das Vertrauen in den Staat habe rapide abgenommen. Dutzende Menschen wären bereit, Österreich zu verlassen, allerdings erst, wenn sie ihre bisher einbezahlten Sozialleistungen zurückbekommen würden.

Unterzeichnet wurde der Brief von Murat Durdu als „Generalsekretär und Schriftführer, stellvertretender Obmann der NBZ“. Durdu ist auch Obmann des Vereins „Safak“, der der türkisch-nationalistischen Gruppe der „Grauen Wölfe“ zugerechnet wird. Der offene Brief wurde auf Briefpapier der NBZ abgedruckt.

„Auch hier ihr Unwesen treibt“

Für den Verfasser steht fest, dass durch die Ereignisse nach dem Putsch nicht nur die Beziehung zwischen Österreich und der Türkei gelitten hätte. „Auch das Vertrauen und das Zugehörigkeitsgefühl von Menschen, die seit einer geraumen Zeit in Österreich leben, aber immer noch im ursprünglichen Heimatland verwurzelt sind, hat rapide abgenommen.“ Weiters heißt es: „Es hat sich klar und deutlich herausgestellt, dass die seit Jahrzehnten aktive Gülen-Bewegung, die übrigens auch in Vorarlberg ihr Unwesen treibt, dahintersteckt.“

Die Reaktion der türkischen Regierung nach dem Putsch sei richtig: „Nach diesen unbeschreiblichen Ereignissen folgten naturgemäß Verhaftungen und Inhaftierungen. Um den Staatsapparat aufrechtzuerhalten und einen weiteren Versuch zu vereiteln, gingen die Sicherheitskräfte entschlossen an die Sache ran.“ Österreich müsse der Türkei klar und deutlich beistehen. „Was wir allerdings erleben mussten, war jenseits von jeglicher Empathie und Respekt den Opfern der türkischen Demokratie gegenüber. Die Aussagen von unserem Integrations- (!) und Außenminister waren an Feindseligkeit der Türkei und ihrer Demokratie, wie auch den Österreichern mit Wurzeln in Anatolien, kaum zu übertreffen. Spontane Kundgebungen wurden zum Anlass gemacht, um die, seit nun mehr als einem halben Jahrhundert diesem Land und ihrer Industrie treu dienenden Steuerzahler mundtot zu machen.“

Der Brief endet mit dem Absatz: „Nichts desto trotz wollen wir (…) im Namen unserer Wähler das Land Vorarlberg wie auch die österreichische Republik darüber informieren, dass Dutzende Arbeiterinnen und Arbeiter bereit wären, Österreich mitsamt ihren Familien zu verlassen. Unter der Voraussetzung, dass ihnen die bisher einbezahlen Sozialleistungen wie auch die Beträge, die in die Pensionskassen flossen, ausgehändigt werden.“

NBZ-Obmann Adnan Dincer war für die VN am Montagabend nicht zu erreichen.