Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Zapfenstreich

Vorarlberg / 23.08.2016 • 18:27 Uhr

Wann hatten wir nochmals den Tiefpunkt erreicht, als österreichische Rekruten sich selber einen Autobus mieten mussten, um zu ihrer eigenen Angelobung zu fahren? Die Lastkraftwagen aus Heeresbeständen, die nur mehr der Bedeutung „Last“ gerecht wurden, hatten ihre Kraft längst verloren. Das Heer lag darnieder. Man stellte sich innerlich schon auf Haussammlungen ein. Indes erfreute sich die Armee einer ungebrochenen Verankerung in der Bevölkerung. Wenngleich nicht ganz im Sinne des Generalstabs.

Man hatte es sich – so zwischen Karl Kraus und Roda Roda – hübsch eingerichtet. Das Bild des österreichischen Offiziers – schneidig, aber weitgehend orientierungslos – beflügelte die Stammtische der Republik. Durch jede rotweinschwangere Erzählung galoppierte so ein Feschak, denn natürlich billigte ihm die Fantasie ein Pferd zu, und er grüßte seinesgleichen mit dem unnachahmlichen „Servus, Herr Leutnant“.

Ach, es war eine Lust des Fabulierens, die weniger im Manöver als vielmehr in den Casinos und Soldatenheimen Nahrung fand. Ein jeder kannte doch wenigstens einen Wachtmeister, der für ein Histörchen gut war. Und so sorgte die Armee einerseits durch Grenzsicherung für ruhige Nächte, vor allem aber durch die nimmermüde Legendenbildung für lebhafte, heitere Stunden. All das soll sich nun ändern. Das Militär wird schlagkräftig. Modern und stark. Die Musikkapelle wird als erstes restauriert. Wandert damit die Vorstellung des Leutnant Trotta – „Am besten stirbt sich‘s beim Radetzkymarsch“ – endgültig ins heeresgeschichtliche Museum? Das wär’ schade.

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