Zusätzliches Geld für Physiotherapie
Gebietskrankenkasse will damit für Vertragspartner ein Prämiensystem finanzieren.
dornbirn. Rund 400.000 Euro zusätzlich will die Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) pro Jahr in die Hand nehmen, um die physiotherapeutische Versorgung im Land zu sichern. Das ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen GKK und Vertragsphysiotherapeuten. Mit diesem Geld soll ein Prämiensystem finanziert werden, das greift, wenn aktivierende und mobilisierende Behandlungen zur Anwendung kommen. „Wir müssen weg von Streicheleinheiten hin zu aktiven Therapien“, begründet GKK-Obmann Manfred Brunner den neuen Ansatz. Ebenso bestätigt er auf VN-Anfrage den positiven Abschluss der Verhandlungen. Das von der GKK unterbreitete Angebot sei bei den Vertragspartnern mehrheitlich auf Zustimmung gestoßen ist.
Helmut Obwegeser, Physiotherapeut in Hohenems und einer der Gesprächsführer, zeigt sich mit dem Ausgang der Verhandlungen nicht zufrieden, weiß aber auch um die Zwänge der Kasse. Es werde sicher zu Veränderungen im System kommen, Patienten müssten bei Vertragsphysiotherapeuten wohl mit längeren Wartezeiten rechnen. Derzeit vergütet die GKK eine Therapiestunde mit 51 Euro. Aus Sicht der Vertragsphysiotherapeuten wären mindestens 70 Euro nötig, um dem umstrittenen Kollektivvertrag gerecht zu werden. Im vergangenen Jahr gab die GKK für Behandlungen bei Vertrags- und Wahlphysiotherapeuten über 14 Millionen Euro aus.
Alarm geschlagen
Im Frühjahr hatten die
Vertragsphysiotherapeuten Alarm geschlagen. Grund war ein Kollektivvertrag, der seit 1. Jänner für angestellte Physiotherapeuten gilt. Dadurch entstünde ein Mehraufwand, der, so bemängelte der Landesverband, mit dem geltenden GKK-Tarif nicht zu bewältigen sei. Von über 12.500 Euro jährlich wurde gesprochen, KV-Zusatzleistungen wie Einzahlungen in die Pensionskasse oder Weiterbildungen nicht eingerechnet. Als Folge davon wurden angestellte Physiotherapeuten teilweise entlassen, andere lösten ihre Verträge mit der Gebietskrankenkasse. Laut Helmut Obwegeser haben fünf von 27 Vertragsphysiotherapeuten ihre Zusammenarbeit mit der GKK eingestellt. Weitere sollen bis Jahresende folgen. Manfred Brunner bestätigt „einige Kündigungen“, wobei aber nicht alle durch den Kollektivvertrag begründet gewesen seien. Gleichzeitig konnten neue Physiotherapeuten unter Vertrag genommen werden. „Derzeit haben wir 25 niedergelassene Vertragseinrichtungen mit insgesamt 62 Physiotherapeuten“, berichtet der GKK-Obmann.
Höchster Pro-Kopf-Aufwand
Zum Prämiensystem ergänzt Brunner, dass eine Einschleifregelung geplant ist, an deren Ende höhere Tarife stehen. Er betont auch, dass die Physiotherapie keineswegs, wie oft kritisiert, niedrig gehalten würde. Das Gegenteil sei der Fall. „Wir haben bundesweit den höchsten Pro-Kopf-Aufwand.“ In den vergangenen zwei Jahren sind die Ausgaben um gut zehn Prozent gestiegen.
Ausgaben
2014:
» Vertragsphysiotherapeuten 5.047.498,37 Euro
» Wahlphysiotherapeuten 8.155.558,04 Euro
2015:
» Vertragsphysiotherapeuten 5.186.086,93 Euro
» Wahlphysiotherapeuten 9.047.452,68 Euro