Es war einmal still
Zugegeben, es sind Augenblick äußerster Verzagtheit – zum Beispiel in einem Schülerzug im Frühverkehr – da sehnt man sich nach dem guten alten Viertelanschluss zurück. Verblüffte Blicke. Wie, Viertelanschluss? Ein Telefonanschluss, den man sich mit drei anderen Haushalten teilte. Den gab‘s wirklich? Fahrige Hände tasten reflexartig nach dem Handy in der Hosentasche. Nein, der böse Onkel hat‘s noch nicht weggezaubert mit seinen Gruselgeschichten, Gott sei Dank!
Also: In grauer Vorzeit hing in den Wohnanlagen draußen am Gang ein großer grauer Kasten mit Relais in seinem Inneren. Ein Klappern und Knacken verriet jedesmal, wenn die Telefonleitung gerade besetzt war. Und dann musste man warten. Ziemlich lange mitunter. Wenn Kinder in der Pubertät das Telefon für sich entdeckt haben, soll das schon mal ganze Hausgemeinschaften zerrüttet haben.
Ja, so hat die Welt einmal ausgesehen. Natürlich will das heute keiner mehr. Aber Viertelanschluss und 36er-Filme für die Fotografie, Tipp-Ex und Schreibmaschine hatten alle ein und denselben Effekt. Die Kommunikation war mühsam, teuer und langwierig. Also dachte man erst nach, bevor man kommunizierte. Wie? So kann das unmöglich gewesen sein? Doch, ohne Scheiß. Die Welt war einmal langsam und vor allem … still.
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