Lehrpraxen zeitigen Wirkung

Vorarlberg / 07.12.2016 • 21:22 Uhr
Lehrpraxen zeitigen Wirkung

Offene Kassenstellen in Thüringen und St. Anton konnten dadurch besetzt werden.

Dornbirn. Lange und intensiv wurde um die Einrichtung von Lehrpraxen gekämpft. Jetzt zeigt sich: Lehrpraxen wirken tatsächlich. Für drei Jungärzte brachte die Zeit in der Lehrpraxis die Bestätigung, sich als Allgemeinmediziner niederzulassen. Auf diese Weise konnten zwei schon länger vakante Kassenstellen nun besetzt werden. In St. Anton im Montafon ordiniert seit Mai Dr. Veronika Süß (34), und auch Thüringen darf sich freuen. Am 1. Juni 2017 wird dort Dr. Max Ogrisek (36) die Agenden des Gemeindearztes übernehmen. Ein weiterer Lehrpraktikant möchte ebenfalls in eine Kassenpraxis einsteigen, vorerst aber nur in Form eines Jobsharings. Ärztekammer, Gebietskrankenkasse und Land sprechen von einer bewährten Struktur, die weitergeführt werden müsse. Im kommenden Jahr stehen bundesweite Finanzierungsverhandlungen an. Sollte es zu Verschlechterungen für Vorarlberg kommen, werde das eigene Modell weitergeführt, kündigte Gesundheitslandesrat Christian Bernhard gegenüber den VN an: „Das verantworte ich gerne.“

Seit Oktober 2014 haben insgesamt zwölf Ärzte ein Praktikum in einer der fünf Lehrpraxen absolviert, wobei die Sechsmonatsvariante bevorzugt wird. Es gibt auch die Möglichkeit, zwölf Monate den Alltag des Praktikers kennenzulernen. Aktuell befinden sich vier Ärzte in einer Lehrpraxisausbildung, ein Praktikant beginnt im Jänner.

Modellbefürworter

Rund 270.000 Euro kostet das Pilotprojekt jährlich. Davon tragen das Land 100.000 Euro, GKK und Ärztekammer sowie die Lehrpraxisinhaber übernehmen je 45.000 Euro. Der Bund leistet einen Beitrag von 80.000 Euro. „Gut investiertes Geld“, befindet Christian Bernhard. GKK-Obmann Manfred Brunner sieht in den Lehrpraxen einen wichtigen und richtigen Weg, Allgemeinmediziner für den niedergelassenen Bereich zu rekrutieren. „Wir jedenfalls befürworten dieses Modell“, bekräftigt Brunner.

Nachfolger gefunden

In Thüringen ist die Erleichterung indes groß. Die Gemeinde und zuletzt, wie berichtet auch die Bürger selbst, haben sich intensiv um einen Nachfolger für den mit Jahresende ausscheidenden Gemeindearzt bemüht. „Wir freuen uns natürlich sehr, mit Max Ogrisek endlich einen Nachfolger gefunden zu haben“, sagt Bürgermeister Harald Wittwer. Es sei schwierig genug gewesen. In den kommenden Monaten wird nun das in die Jahre gekommene Arzthaus saniert und adaptiert. Dann steht einer Übersiedlung nichts mehr im Wege. Noch arbeitet Max Ogrisek auf der Unfallabteilung des Landeskrankenhauses Feldkirch. In Thüringen sieht er eine gute Basis gelegt. Seine Zeit in der Lehrpraxis wertet der gebürtige Wiener als sehr positive Erfahrung, die er jedem angehenden Mediziner nur wärmstens empfehlen kann.

Veronika Süß würde ein Lehrpraktikum nicht nur empfehlen, sondern sogar verpflichtend verordnen. Sie selbst hat zwar schon vorher mit dem Gedanken gespielt, sich als Allgemeinärztin niederzulassen. Die endgültige Bestätigung für die Richtigkeit brachte ihr aber die Lehrpraxis.

Wirtschaftlicher Aspekt

Nach dem Turnus im Krankenhaus Bludenz absolvierte Süß, die aus der Slowakei stammt, sowohl in einer Allgemeinmedizinerpraxis als auch bei niedergelassenen Kinderärzten ein Praktikum. „Es hat nicht nur medizinisch geholfen, sondern mir auch die Angst vor der wirtschaftlichen Selbstständigkeit genommen“, erzählt sie. Das sei genauso wichtig.

Ich habe mit der Lehrpraxis positive Erfahrungen gemacht. Ich kann sie jedem nur empfehlen.

Max Ogrisek