Sechs Reha-Betten für Kinder

Vorarlberg / 26.12.2016 • 19:57 Uhr
Auch in Österreich soll es mit der Kinder-Reha endlich vorwärtsgehen.  Foto: reuters
Auch in Österreich soll es mit der Kinder-Reha endlich vorwärtsgehen.  Foto: reuters

Standort wird allerdings in Tirol sein, wo genau, das entscheidet sich im Frühjahr.

bregenz. Im Osten, Süden und Norden sind die Karten für die Einrichtung von Rehabilitationszentren für Kinder und Jugendliche bereits vergeben. In der Versorgungsregion West, die Vorarlberg und Tirol umfasst, heißt es hingegen noch darauf warten, und zwar mindestens bis ins Frühjahr 2017. Dass eine solche Einrichtung kommt, steht aber wenigstens fest. Standort und Betreiber sind allerdings noch unbekannt. Vorarlberg erhält für die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen sechs Betten zugestanden.

Keine Trennung mehr

Laut Gesundheitslandesrat Christian Bernhard ist diese Anzahl ausreichend, weil es bereits ein gutes ambulantes Reha-System in diesem Bereich gibt. Als Beispiele nennt er die Kinderdienste des aks und die Mobile Kinderkrankenpflege. Aus diesem Grund erscheint es ihm auch sinnvoll, die Betten in Tirol zu belassen. „Wir werden diese sechs Betten sicher benötigen, brauchen sie jedoch geografisch nicht im Land“, hält Bernhard den Aufbau einer eigenen Struktur aufgrund des geringen Bettenangebots für nicht zweckmäßig. Dafür können die Reha-Einrichtung künftig alle Kinder, die sie brauchen, in Anspruch nehmen. Das heißt konkret, dass die bislang bestehende Trennung der Zuständigkeiten zwischen angeborenen und erworbenen Gesundheitsstörungen entfällt, was einen niederschwelligen Zugang gewährleisten soll. Diese Lösung stimmt auch Christian Bernhard zufrieden.

Zuschlag auf Zuschlag

Lange wurde um spezielle Rehabilitationsplätze für Kinder und Jugendliche gerungen. Immer wieder einmal machten Kinderschutzorganisationen wie etwa die Liga für Kinder- und Jugendgesundheit auf die unbefriedigende Lösung aufmerksam. Denn derzeit werden Kinder und Jugendliche in einer Rehabilitation entweder gemeinsam mit 60- bis 85-jährigen Patienten betreut oder sie müssen nach Deutschland ausweichen. Dieses Dasein als Anhängsel soll nun bald der Vergangenheit angehören. In diesem Jahr ging bei der Kinderrehabilitation jedenfalls viel vorwärts. Zuschlag folgte praktisch auf Zuschlag. Mit dem Abschluss des formalen Vergabeverfahrens für die Versorgungsregion Ost konnten nun 306 von insgesamt 343 geplanten Betten durch den Hauptverband der Sozialversicherungsträger vergeben werden. Mit Ausnahme der Versorgungszone West, also Vorarlberg und Tirol, sind damit alle im österreichischen Rehabilitationsplan für Kinder und Jugendliche vorgesehenen Einrichtungen auf Schiene und harren der Umsetzung. 

Betten auch für Angehörige

Gesamt sind Betten in elf Indikationen vorgesehen. In der onkologischen Kinder-Reha soll es zusätzlich 50 Betten für begleitende Angehörige geben. Im Regelfall ist ein Elternteil während der Rehabilitation beim Kind. Eine Ausnahme wird bei kleineren Krebspatienten gemacht. In solchen Fälle kann, wie es in Deutschland schon lange gehandhabt wird, die ganze Familie zur Betreuung des Kindes mitkommen. Außerdem wird die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen nach jetzigem Stand der Dinge sowohl körperliche wie auch psychische und soziale Aspekte berücksichtigen. Das schließt beispielsweise Schulunterricht und Freizeitgestaltung ein.

In Österreich gibt es den Angaben des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger zufolge rund 5000 Kinder, die so schwer krank oder behindert sind, dass sie eine Reha brauchen. Wie viel Vorarlberg für die sechs Kinder-Reha-Betten in Tirol bezahlt, steht noch nicht fest.

Wichtige Unterstützung

Im vergangenen Jahr wurden bei den im ganzen Land etablierten aks-Kinderdiensten 4454 junge Klienten betreut. Ziel ist die bestmögliche Unterstützung und Förderung für Kinder und Jugendliche mit körperlichen, geistigen und/oder seelischen Beeinträchtigungen oder Behinderungen. Ein ebenfalls wichtiger Baustein ist die seit mehr als zehn Jahren bestehende Mobile Kinderkrankenpflege. Hier betreuen speziell ausgebildete Kinderkrankenschwestern insbesondere chronisch kranke sowie sterbende Kinder und Jugendliche zu Hause.

Mit der Mobilen Kinderkrankenpflege wird ein reibungsloser Übergang von der Spitals- in die häusliche Pflege gewährleistet. Dazu erfolgt ein ständiger Informationsaustausch mit allen Beteiligten. Vor der Überweisung eines Kindes nach Hause wird sichergestellt, dass die Eltern bzw. pflegenden Angehörigen die alltäglichen Pflegemaßnahmen beherrschen.

Wir werden die sechs Betten sicher benötigen, brauchen sie geografisch jedoch nicht im Land.

Christian Bernhard