Rückzug mit Konsequenzen

Pläne zur Anbindung der Allgemeinchirurgie Bludenz an jene im Landesspital Feldkirch.
Bludenz. Es ist mehr als eine personelle Wachablöse, die sich da im Landeskrankenhaus Bludenz vollzieht. Der Abgang von Chirurgie-Primar Matthias Scheyer (60), der mit Jahresende als Spitalsarzt in Pension geht, dürfte auch strukturelle Konsequenzen haben. Der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch, bestätigte auf VN-Anfrage, dass es Pläne für eine engere Anbindung der Allgemeinchirurgie an jene im Landeskrankenhaus Feldkirch gibt. Gleichzeitig versicherte Fleisch, dass die Chirurgie in Bludenz auf jeden Fall erhalten bleibt. „Sie ist wichtig für das Angebot des Spitals.“ Die interimistische Leitung der Abteilung übernimmt ab 1. Jänner 2017 der geschäftsführende Oberarzt Gerd Rollinger.
Urgestein der Ärzteszene
Matthias Scheyer zählt zu den Urgesteinen der heimischen Ärzteszene. Nach dem Medizinstudium in Innsbruck absolvierte er in Feldkirch seine chirurgische Facharztausbildung. Anschließend wechselte er nach Bludenz, wo er zum Leiter der Chirurgie aufstieg und das Krankenhaus außerdem sechs Jahre als Chefarzt führte. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählten die minimal-invasive Chirurgie, die Bruchchirurgie sowie die Proktologie, also die Behandlung von Erkrankungen des Enddarms. Hier nimmt die Chirurgie in Bludenz eine Spitzenstellung ein. So will sich die Abteilung als Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie etablieren, und sie strebt eine Spezialisierung in Richtung Proktologiezentrum an.
Aber nicht immer lief alles rund im kleineren der fünf Landeskrankenhäuser. 2012 etwa probten die Turnusärzte den Aufstand. Sie rebellierten gegen schlechte Arbeitsbedingungen und untermauerten den Ernst der Lage mit einer kollektiven Kündigung. Matthias Scheyer reagierte verständnisvoll auf die, wie er sagte, berechtigten Anliegen der Jungärzte, setzte Gespräche an und brachte vertraglich geregelte Verbesserungen auf den Weg, beispielsweise eine Reduktion der Nachtdienste. Daraufhin beruhigte sich die Situation. „Matthias Scheyer hat dem LKH Bludenz ganz klar seinen Stempel aufgedrückt“, resümiert lobend KHBG-Direktor Gerald Fleisch.
Neubesetzung noch unklar
Seinen Rückzug in die Pension habe er schon frühzeitig angekündigt und alles entsprechend vorbereitet. „Er hinterlässt ein gutes Team“, sagt Fleisch. Ob das frei werdende Primariat zur Neubesetzung ausgeschrieben wird, steht noch nicht fest. „Es wird vor Ort sicher einen Verantwortlichen geben, aber das muss nicht zwingend ein Primararzt sein“, erklärt der KHBG-Chef. So könnte auch ein geschäftsführender Bereichsleiter eingesetzt werden. Eine diesbezügliche Entscheidung stellt Gerald Fleisch für die nächsten Monate in Aussicht. Gleiches gilt für die Ausarbeitung von Details zur Anbindung der Chirurgie an das LKH Feldkirch.
Größere Abteilungen nötig
Gesundheitslandesrat Christian Bernhard spricht bereits von sehr konkreten Überlegungen. „Wir brauchen größere Abteilungen mit höheren Fallzahlen, um die Vorgaben der neuen Ausbildungsverordnung erfüllen zu können“, nennt er einen Grund für die Notwendigkeit von Abteilungszusammenlegungen. Für Gerald Fleisch zählt weiters, dass mit Kooperationen gute Leute auch für kleinere Häuser zu finden sind. Dazu kommt, dass bis im März der Regionale Strukturplan Gesundheit (RSG) stehen soll, der das künftige Leistungsangebot der Krankenhäuser im Land abbilden wird. Einen Bettenabbau in der Chirurgie Bludenz, die 2015 rund 1600 Eingriffe durchführte, kann Bernhard nicht ausschließen, zumal immer mehr tageschirurgisch erfolge. Arbeitsplätze sind dagegen keine in Gefahr. „Das gilt für alle Gesundheitsberufe“, betont er.
Wir brauchen größere Abteilungen mit höheren Fallzahlen zur Umsetzung der Ausbildungsverordnung.
Christian Bernhard
Chirurgie Bludenz 2015
» 30 Betten
» 8879 Belagstage
» 11.144 Pflegetage
» 2342 Aufnahmen
» 3,4 Tage Verweildauer