Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Lohn? Aber gewiss . . .

Vorarlberg / 17.01.2017 • 18:50 Uhr

In vielen Unternehmen zählt es zu den lieb gewordenen Gewohnheiten, den Lohnzettel allmonatlich mit launigen Sprüchen entgegenzunehmen. „Da schießen mir die Tränen waagrecht in die Augen“, zählt noch zu den harmloseren Kommentaren.

Sie stammen selten von Berufsanfängern. Die nehmen ihr Gehalt noch mit jenem stillen Stolz in Empfang, der später als geradezu kindlich abgetan wird. Weil die alten Hasen ja wissen, wofür sie Geld erhalten. Weil sie was geleistet haben. Weil ihnen laut Vertrag die Kohle zusteht. Oh, sie sind nichts schuldig geblieben im vergangenen Monat. Da tauchen bei näherer Betrachtung rasch all die kleinen und großen Ärgernisse auf und der Betrag auf dem Lohnzettel erscheint zunehmend mickriger. Wo steht eigentlich das Schmerzensgeld für den neuen Vorgesetzten, die Pfeife? Es könnte wirklich mehr sein! Das könnte es bekanntlich immer.

Man vergisst dabei freilich rasch, dass der Lohn, der meist mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks regelmäßig überwiesen wird, ohne dass man daran denken müsste, dass Lohn und Gehalt in dieser Form Kinder der neuesten Geschichte sind. Und dass die schöne neue Welt der Projekte und Freelancer-Freiheiten diese Selbstverständlichkeit nicht kennt. Immer mehr Menschen müssen sich in den neuen Arbeitsformen wieder den Kopf darüber zerbrechen, wo im nächsten Monat das Geld herkommen soll. Die Freiheit kann schon mal so groß sein, dass einem wirklich Tränen in die Augen schießen.

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