Grippeviren legen das Land flach

Vorarlberg / 25.01.2017 • 18:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tee und Taschentücher gehören derzeit für viele Vorarlberger zum Alltag. Die Grippeviren gehen um. Foto: apa
Tee und Taschentücher gehören derzeit für viele Vorarlberger zum Alltag. Die Grippeviren gehen um. Foto: apa

Schon die ersten drei Jännerwochen brachten fast 7000 Krankmeldungen.

dornbirn. Die Grippeviren schlugen auch in Vorarlberg deutlich früher zu als in anderen Jahren. Das lässt sich unschwer an den Krankenstandsmeldungen ablesen, die derzeit in rauen Mengen bei der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) einlangen. In den ersten drei Wochen des neuen Jahres ließen sich fast 7000 Krankmeldungen auf Grippe und grippale Infekte zurückführen. 2016 beispielsweise waren es in diesem Zeitraum knapp 3600 Krankmeldungen. 

Vor allem Ältere betroffen

Was sich momentan draußen abspielt, spiegelt sich zeitgleich in den Krankenhäusern wider. Oberärztin Gabriele Hartmann, Leiterin der Abteilung für Krankenhaushygiene und Infektionsvorsorge im Landeskrankenhaus Feldkirch, spricht von einer sehr hohen Zahl an stationären Aufnahmen. Und: „Die Influenza-Aktivitäten sind nach wie vor sehr ausgeprägt“, bestätigt Hartmann auf VN-Anfrage. Das heftige Treiben der Grippeviren hat demnach schon in der ersten Jännerwoche eingesetzt. Die vergangene Woche zählte ihrer Einschätzung nach zur bislang stärksten Krankheitswoche. Am heftigsten erwischt die Influenza laut Hartmann ältere Menschen mit Grunderkrankungen. Ein gravierendes Problem stellen der Ärztin zufolge in erster Linie chronische Lungenkrankheiten dar.

Würde sie jetzt noch zur Grippeschutzimpfung raten? Die Frage ist für die Krankenhaushygienikerin einfach zu beantworten. „Wer noch nicht erkrankt ist, kann die Impfung machen lassen.“ In zehn Tagen baue sich doch eine gewisse Immunität auf, und die Grippesaison könne immerhin bis in den März hinein dauern. Auch Gabriele Hartmann hat in den vergangenen Tagen noch Impfungen durchgeführt. Anzuraten sei die Impfung besonders Personen mit schweren Grunderkrankungen. Aber: „Jetzt ist der letzte Zeitpunkt“, betont sie. Denn nach und nach würden nun andere Viren auftauchen. Ungeimpften empfiehlt sie, entsprechend vorsichtig zu sein, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Große Lücken

Denn solche gibt es nach wie vor viele im Land. „Impfen ist eine individuelle Entscheidung“, weiß Gesundheitslandesrat Christian Bernhard und zeigt sich froh über jeden, der sich aus Überzeugung impfen lässt. Große Lücken ortet Bernhard aber ausgerechnet bei den Gesundheitsberufen. „Beim Krankenhauspersonal ist die Durchimpfungsrate leider noch nicht so hoch, wie ich es gerne hätte“, sagt er. Bernhard würde sich wünschen, dass eben diese Personen mit gutem Beispiel vorangehen würden. Allerdings gebe es dieses Phänomen nicht nur in Vorarlberg. Die derzeitige Grippewelle bezeichnet er als heftig, der Impfstoff decke jedoch das ganze Virenspektrum ab. In Vorarlberg werden jährlich etwa 15.000 Dosen an Grippeimpfstoff benötigt.

Den Aufzeichnungen der GKK nach sorgten Grippe und grippale Infekte 2016 für insgesamt 21.734 Krankmeldungen. Es war eine vergleichsweise harmlose Saison. Mitte Februar gab es die meisten Krankmeldungen (2235). Ab Mitte März flaute die Grippewelle ab. Heuer dürften die Zahlen höher liegen. Laut GKK flattern pro Woche an die 200 Krankmeldungen herein. Als bislang stärkste Woche erwies sich die zweite Jännerwoche mit 2676 Meldungen. Zum Vergleich: 2016 sammelten sich 1216 an. Deutlich auch der Unterschied in der ersten Jännerwoche: 2017 gab es 1739 Krankmeldungen, 2016 „nur“ 921.

Beim Krankenhauspersonal ist die Durchimpfungsrate nicht so hoch, wie ich es gerne hätte.

Christian Bernhard