Abenteuer-Sportcamp auf der Kippe

Vorarlberg / 26.01.2017 • 20:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das macht Spaß: Aus über 1000 Sport- und Freizeitaktivitäten können die Kinder beim „Abenteuer Sportcamp“ wählen. Foto: vn/steurer
Das macht Spaß: Aus über 1000 Sport- und Freizeitaktivitäten können die Kinder beim „Abenteuer Sportcamp“ wählen. Foto: vn/steurer

Wegfall von steuerbegünstigter Pauschale verursacht erhebliche Mehrkosten.

feldkirch. Die Termine für diesen Sommer sind bereits fixiert, nur die Preise fehlen noch. Und das aus gutem Grund. Dem „Abenteuer Sportcamp“, einer Veranstaltung für Kinder von 6 bis 14 Jahren, steht finanzielles Ungemach ins Haus. Weil die Sportbetreuer nicht mehr mittels der steuerbegünstigten „Pauschalen Reiseaufwandsentschädigung“ abgerechnet werden dürfen, drohen Mehrkosten von rund 100.000 Euro. In einem Brief an die Partnergemeinden haben die Veranstalter nun offen ihre Misere geschildert und um eine außerordentliche Veranstaltungsförderung ersucht. Auch beim Land wurde Initiator Wolfgang Bauer vorstellig. Er hofft, dass die bisherige Unterstützung im Ausmaß von 3500 Euro hinterfragt wird. Für den Hohenemser Bürgermeister Dieter Egger stellt sich eine ganz andere Frage, nämlich jene: Steht das „Abenteuer Sportcamp“ vor dem Aus? In einer Anfrage an Landeshauptmann Markus Wallner und Sportlandesrätin Bernadette Mennel will er seine Bedenken geklärt haben.

Wettkampfcharakter fehlt

Seit über zwanzig Jahren bietet das „Abenteuer Sportcamp“ jeden Sommer rund 2700 Kindern wochenweise eine qualifizierte sportliche Betreuung. Mit rund 130 Euro sind auch die Kosten relativ überschaubar. Doch nun scheint dieser Preis nicht mehr haltbar. „Wenn es keine Lösung gibt, sind wir gezwungen, den Unkostenbeitrag erheblich zu erhöhen“, bestätigt Wolfgang Bauer einen Umstand, den er vermeiden möchte. Grund für die Unsicherheit ist die von der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) vorgenommene „gemeinsame Prüfung aller lohnabhängigen Abgaben“ wie Lohnsteuer und Dienstgeberbeitrag. Im Zusammenhang mit dem „Abenteuer Sportcamp“ fiel die steuerbegünstigte „Pauschale Reiseaufwandsentschädigung“ für die Sportbetreuer dem Rotstift zum Opfer. Der Grund: Den Veranstaltungen fehlt der offizielle Wettkampfcharakter.

Kritisch angemerkt wird, dass die VGKK ihre Zusage aus dem Jahr 2010 umgestoßen hat. Die Information dazu erhielt Bauer erst vor wenigen Tagen, was zu einer in der Kürze der Zeit nicht kalkulierbaren Krisensituation geführt habe. Vonseiten der VGKK heißt es, das Finanzamt lege fest, was lohnsteuerpflichtig ist und was nicht. „Wir sind an solche Vorgaben gebunden.“

1,40 Euro Förderung pro Kind

Zusätzliche Sponsoring-Einnahmen könnten nach Ansicht von Wolfgang Bauer den Abgang etwas abfedern. Doch die Erfahrungen der letzten Jahre hätten gezeigt, dass „wir als Kindersportveranstaltung ohne Wettkampf und aufgrund des geringen medialen Interesses nicht mit allzu viel zusätzlichen Geldern rechnen dürfen“. Trotzdem wurden hoffnungsvoll neue Sponsoring-Pakete geschnürt. Gleichzeitig erging der Appell an die Partnergemeinden um Unterstützung für dieses „schwierige Übergangsjahr“.

So könnte die Veranstaltung in aller Ruhe neu aufgestellt werden, gibt sich Bauer überzeugt. Die mit dem Land geführten Gespräche bewertet er jedenfalls positiv. Derzeit beträgt die Förderung bei 30 Camps gerade einmal 117 Euro pro Camp oder auf die Teilnehmerzahl umgerechnet 1,40 Euro pro Kind.

Für Dieter Egger ist das „Abenteuer Sportcamp“ nicht nur im Sinne einer sinnvollen Ferien- und Freizeitgestaltung wichtig, es öffne Kindern auch den Zugang zu Bewegung, Sport und Kameradschaft. Die Städte und Gemeinden seien sicherlich bereit, einen erhöhten Beitrag zu leisten, er sieht aber
genauso das Land in der Pflicht. Bezüglich der „Pauschalen Reiseaufwandsentschädigung“ will Egger von Markus Wallner und Bernadette Mennel unter anderem wissen, ob mit der Gebietskrankenkasse über eine weitere Anerkennung dieser Entschädigung bereits Gespräche geführt wurden.