Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Akademisch

Vorarlberg / 31.01.2017 • 19:35 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

„Unsere Kinder sollen’s mal besser haben.“ Darin steckt der Wunsch ganzer Generationen. Und immer meint „besser“ mehr Geld, und der Weg führt ausschließlich über höhere Bildung. Wer studiert hat, ist klug. Wie hätte er sonst studieren können? Wäre die Welt nicht gepflastert mit Menschen, die nachweislich studiert haben und doch jede Klugheit vermissen lassen, der Schluss wäre bestechend logisch.

Dabei ist hier keineswegs vom vielzitierten „Fachidioten“ die Rede. Klar, den gibt es. Der kann den dekadischen Logarithmus im Schlaf herleiten, bricht aber angesichts der Kaffeemaschine, die nach Wasser verlangt, in Tränen aus. Nein, hier steht ein Grundmissverständnis am Pranger, das besorgte Eltern von so honorigen Organisationen wie der OECD jährlich aufs Neue bestätigt sehen: Nur die Akademisierung bringt Heil. Das ist leider so altmodisch wie längst widerlegt, sonst führen in Ländern wie dem Iran nicht so viele frisch gebackene Akademiker Taxi…

Der Volksmund erzählt die Geschichte auf seine Weise. Nämlich so: Ein älterer Herr, ärmlich gekleidet, betritt eine Metzgerei und bestellt zehn Dekagramm Salami. Der Metzger grüßt ihn ehrerbietig und packt ihm ein Kilo Hackfleisch, drei Koteletts und einen Kranz frischer Würste dazu. Als seine Gattin ihn später zur Rede stellt, winkt der Metzger nur ab: „Lass mal, Inge, das ist schon in Ordnung. Das war mein alter Lateinlehrer. Wenn der mich damals nicht hätte durchfliegen lassen, wär‘ ich heute Akademiker.“

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