Lebensretter der großen Vögel

Vorarlberg / 31.01.2017 • 18:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dieser Bussard hat noch die Kraft für Flügelschläge. Doch auch er musste von Karlheinz Hanni gerettet werden.  Foto: VN/Steurer
Dieser Bussard hat noch die Kraft für Flügelschläge. Doch auch er musste von Karlheinz Hanni gerettet werden. Foto: VN/Steurer

Bussarde, Habichte, Rote Milane und andere Vögel sind derzeit akut vom Tod bedroht.

Schwarzach. Karlheinz Hanni (66) greift in den großen Karton hinein und reißt die Hand mit einem lauten „Auu!“ gleich wieder heraus. Der Bussard hat ihn mit dem Schnabel in den Finger gepickt, Hanni blutet. Dabei sollte das stolze Federvieh dem Mann dankbar sein. Er hat ihm das Leben gerettet. Im Rheinholz bei Gaißau war der Bussard von Spaziergängern gefunden worden. Entkräftet tappte er auf dem Boden herum, konnte nicht mehr wegfliegen.

Entkräftet

In Hannis Kombi ist ein zweiter Karton. Auch der hat einen Mäusebussard als Inhalt. Dieser lässt sich leicht herausnehmen. Das Tier ist völlig entkräftet. „Ich werde ihm Futter hineinstopfen müssen“, sagt Hanni. Der Bussard hat die Augen weit aufgerissen. Er fürchtet sich vor dem VN-Fotografen, der ihm die Kamera ziemlich nah vor den Schnabel hält. „Den habe ich am Koblacher Kanal bei Lustenau gefunden. Er wollte von einem Baum wegfliegen, fiel ins Wasser und konnte sich mit letzter Kraft ans Ufer retten.“ Auch in diesem Fall wurde Hanni von einer Spaziergängerin informiert, die den armen Vogel gefunden hat.

Keine Mäuse

Hanni hat an diesem Tag bereits drei Vögel vor dem sicheren Tod gerettet. Meist bringt er sie zu sich nach Hause. „An großen Greifvögeln habe ich derzeit sieben Bussarde, einen Milan und zwei Graureiher bei mir. Dazu noch einige Singvögel, die ebenfalls beinahe ein Opfer dieses Winters geworden wären.“

Das Problem der Bussarde ist die seit Wochen geschlossene Schneedecke. „Sie kommen dadurch nicht an die Mäuse, ihre Hauptnahrung, heran. Irgendwann sind sie völlig erschöpft.“ Es seien in den vergangenen Tagen und Wochen bereits sehr viele Greifvögel eingegangen. Tierretter wie Hanni fahren derzeit 24-Stunden-Schichten, um zu retten, was zu retten ist.

„Die schwierige Situation wird womöglich noch ein paar Tage andauern“, glaubt Klaus Zimmermann (57) von der inatura in Dornbirn. 

Der Winter ist aus Sicht des Biologen insgesamt dennoch ein guter. „Erstens, weil er normal ist. Und zweitens, weil durch die Kälte eine Insektenplage im Sommer sicher nicht vorprogrammiert ist. Tückisch sind die Fröste nur dann, wenn man sie nicht mehr erwartet.“