Noch tiefer hinein ins Ökoland

Vorarlberg / 15.02.2017 • 21:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Griff zum landwirtschaftlichen Ländle-Produkt soll in Vorarlberg zur Regel werden.  Foto: Vn/Paulitsch
Der Griff zum landwirtschaftlichen Ländle-Produkt soll in Vorarlberg zur Regel werden. Foto: Vn/Paulitsch

Engere Partnerschaften und Image-Offensive zur Aufwertung regionaler Produkte.

Bregenz. Für die Umsetzung der Landwirtschaftsstrategie 2020 „Ökoland Vorarlberg – regional und fair“ soll es laut Agrarlandesrat Erich Schwärzler (63) im laufenden Jahr einige wichtige Weichenstellungen geben.  Eine weitere Vertiefung von Partnerschaften zwischen großen Gemeinschaftsverpflegern, Schulen, Kindergärten sowie Regionalinitiativen aller Art einerseits und den Landwirten andererseits ist eines der große Ziele. Weitere sind: Klare Herkunfts- und Qualitätskennzeichnung von Ländle-Produkten, noch mehr Direktvermarktung, regionale Kooperationen und Vertragslandwitschaft mit Gastronomie, Handel und Tourismus, die Forcierung der biologischen Landwirtschaft mit einer Erhöhung der Zahl der Biobetriebe.

Nicht die Billigstbieter sollen Versorgungsaufträge erhalten, sondern die Bestbieter. „Auch wenn die ein bisschen teurer sind“, betont Schwärzler. „Ein entsprechendes Gesetz zur Berücksichtung von Bestbietern bei solchen Aufträgen wurde 2015 im Nationalrat verabschiedet“, weiß Bernhard Amann, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer.

Die Landwirtschaftsstrategie 2020 wurde in der vergangenen Legislaturperiode von allen Landtagsparteien angenommen, ob die Umsetzung in gleicher Einmütigkeit vor sich geht, muss sich erst noch zeigen.

Für das Tierwohl

Gerne spricht Landesrat Schwärzler immer wieder vom eigenständigen Weg, den das Land bei seiner Landwirtschaftsstrategie gehen soll. „Diesbezüglich gibt es für
uns drei Stichworte, an denen wir uns orientieren. Diese lauten ‚menschlich‘, ‚eigenständig‘, ‚bildungswillig‘.
Als Beispiel für Menschlichkeit in der heimischen Landwirtschaft führt Schwärzler die formulierte Forderung nach Beachtung des Tierwohls an.

„Bei uns werden Kälber­enthornungen und Ferkelkastrationen nur mit Betäubung durchgeführt, obwohl es keine gesetzliche Verpflichtung dafür gibt.“

Gegen Monokulturen

Aber ist die Ökoland-Strategie auf dem richtigen Weg? Wie steht es um den Anspruch von mehr Vielfalt in der Produktion als Alternative zu Monokolturen wie etwa beim Mais? Wird bio wirklich mehr?

Für Daniel  Zadra (32), grüner Agrarsprecher im Landtag und vehementer Verfechter einer konsequenten Ökoland-Linie geht vieles „in die richtige Richtung. Aber es klafft noch eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit“, kritisiert Zadra. Man müsse zum Beispiel aufhören, Betriebe zu fördern, die ausschließlich Mais-Monokulturen bewirtschaften. „Wir haben ja auch einen Überschuss bei der Milchproduktion. Die Förderung gehört vom Tal auf den Berg“, fordert Zadra.

Worin er sich mit Schwärzler einig ist: „Es muss Leistungsabgeltungen  für die Landschaftspflege geben.“ Für den Landesrat ist diese Landschaftspflege in den Bergen ein ideales Beispiel für die Kooperation von Tourismus und Landwirtschaft. „85 Prozent der Bergtouristen kommen wegen der gepflegten Landschaften ins Land“, sagt Schwärzler.

Landwirte müssten durch mehrere Standbeine unabhängiger werden.

Nicht die Billigst- sondern Bestbieter kommen zum Zug.

Erich Schwärzler

Landwirtschaft

» 4000 bäuerliche Betriebe im Land davon sind 500 Biobetriebe

» 7700 Personen sind in der Landwirtschaft beschäftigt

» 70 Prozent davon sind Bergbauern

» 20 Prozent sind Vollerwerbsbauern

» 3000 Beschäftige im vor- und nachgelagerten Bereich der Land- und Fortwirtschaft

» Eine Bauernfamilie „ernährt“ 85 Personen

» 73 Prozent der Landesfläche werden von den bäuerlichen Familien gepflegt

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