Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Bewegte Zeiten

11.04.2017 • 17:05 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Manchmal geschehen die Dinge vor der Zeit. Wenn es so mächtig Frühling wird, lassen sich die Eisdielen vorzeitig erweichen. Die Straßenmusikanten sind aus ihrem Winterschlaf erwacht und der mittelalterliche Mann dort drüben auf der Parkbank hat offenbar sogar schon Ostern vorverlegt. Geschenkehalber und ganz ohne Suchen. Er hat sie ja schon an, die funkelnagelneuen Rollerblades.

Aber warum bewegt er sich nicht? Das junge Mädchen, das um die Parkbank herum aufgeregt Pirouetten dreht, ist Fräulein Tochter, wetten? Geschenke, die gemeinsam erlebte Zeit zum Inhalt haben, sind ja überhaupt das Schönste. Sieht eigentlich gar nicht so sportlich aus, der Gute. Wie man sich täuschen kann! Na, mal ein freundliches, anerkennendes Kopfnicken hinüberschicken. Der Blick einer geschundenen Kreatur kommt zur Antwort.

Jetzt steht er auf. Die Tochter jubelt und saust davon. Und der Vater hinterher? Ja, wo ist er denn jetzt? Hat sich so schnell bewegt, dass man es beim besten Willen nicht mehr nachvollziehen kann. Jetzt ragen am Ende der Parkbank zwei Schuhe mit sich drehenden Rollen in die Höh‘. Der Rest ist Auferstehung. Irgendwie.

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