Peter Bußjäger

Kommentar

Peter Bußjäger

Grenzenlose Vision

13.04.2017 • 17:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Manche Touristiker huldigen grenzenlosen Visionen. Vor ein paar Tagen sind Pläne bekannt geworden, die Skigebiete Gargellen im Montafon und Klosters in der Schweiz zu verbinden, wodurch sie größer und konkurrenzfähiger würden. Mehr als drei neue Seilbahnen benötige es nicht, heißt es. Man stehe allerdings noch am Anfang, das Projekt sei derzeit nur eine Vision … Immerhin hat die Vision schon Anhänger gefunden: Der Bürgermeister von St. Gallenkirch behauptete ignorant, die Herstellung der Verbindung benötige nur ein, zwei Stützen. Außerdem habe man genug Biotope. Herablassender kann man sich gegenüber der Schönheit der hochalpinen Landschaft, dem wichtigsten Kapital des Tourismus, eigentlich nicht äußern.

Österreich hat die Alpenkonvention unterzeichnet, einen internationalen Staatsvertrag zum Schutz der alpinen Landschaft. In Tirol konnte immerhin ein beabsichtigter Zusammenschluss von Skigebieten unter Hinweis auf die Vorgaben der Alpenkonvention verhindert werden. Leider ist das Abkommen trotzdem zu wenig konkret, sodass für die Entscheidung im Einzelfall mitunter zu große Spielräume bestehen.

Größere Hoffnung als in die Alpenkonvention würde ich in das Geld setzen. Weil die Seilbahngesellschaften derzeit die vielen Millionen Euro Investitionssumme nicht aufbringen können, hoffen sie auf Förderungen durch die EU und den Bund, um eine grenzenlose Landschaftszerstörung zu ermöglichen. Eine Subventionierung dieses Zusammenschlusses durch Brüssel, von dem vor allem die reiche Schweiz profitieren würde, wäre allerdings ziemlich absurd. Auch ist zu hoffen, dass aus Wien und Bern kein Geld fließen wird.

Die Erfahrung zeigt nämlich, dass die traditionellen Formen der Förderung abgelegener Regionen, wie vor allem Investitionen in große touristische Infrastrukturprojekte, die Abwanderung nicht verhindern können. Die junge Generation sucht nämlich oft berufliche Perspektiven außerhalb des Tourismus. Es wäre daher wichtig, neben einer vernünftigen, naturschonenden Weiterentwicklung des Tourismus mehr Fördergelder in Forschung, Bildung und innovative Technologien fließen zu lassen. So könnte diesen Regionen eine zusätzliche wirtschaftliche Perspektive geboten werden.

Herablassender kann man sich gegenüber der Schönheit der hochalpinen Landschaft eigentlich nicht äußern.

peter.bussjaeger@vn.at
Peter Bußjäger ist Direktor des Instituts für Föderalismus
und Universitätsprofessor in Innsbruck.