Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Rückkehrer hätten es schwer

18.04.2017 • 16:25 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Gesetzt den Fall, einer hätte sich zurückgezogen über die Feiertage. So was wie Urlaub im Kloster, liegt ja stark im Trend. Wäre also Tag für Tag durch den Kreuzgang zur Klosterkirche gelaufen, während draußen die letzten Nachtschwärmer lautstark den Heimweg antraten. Wäre am Gründonnerstag und Karfreitag, am Karsamstag und in der Nacht zum Ostersonntag nach und nach der Mischung aus Weihrauch, Kerzen und Gesängen erlegen. Hätte die Stille, anfangs so befremdlich, lieben gelernt. Und am Ende sogar sich selber darin ertragen.

Gesetzt den Fall, so einer käme jetzt zurück. Er würde die alten Zeitungen nachlesen. Mal schauen, ob die Welt noch steht, sagt man scherzhaft. Nun läse er bewundernde Berichte über die US-amerikanische „Mutter aller Bomben“. Und wenig später das russische Gegenstück – noch grausamer, noch monströser. Er blickte auf ein Fahnenmeer am Bosporus und hörte täglich Berichte über den verrückten Potentaten in Nordkorea, der verzweifelt mit missglückten Raketenstarts auf sich aufmerksam zu machen sucht.

So einem Rückkehrer aus der Stille zeigte sich die Welt für einen Augenblick ganz ungeschminkt. Ohne die begütigende Begleitmusik der kleinen alltäglichen Freuden, einfach ungefiltert in massenmedialer Dissonanz. Würde der nicht umdrehen und die Klostertür wieder leise hinter sich schließen wollen? Was hat der Papst gepredigt am Ostersonntag? Man frage sich bei all dem Elend, wo Gott sei? Angesichts der Verfasstheit der Welt kann man nur hoffen, dass uns keiner zusieht.

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