Rechnungshof nimmt “luag druf” ins Visier

Landesrechnungshof kritisiert Marken und Struktur des Ländle-Qualitätsmarketings.
Bregenz. Schweine aus Deutschland in Vorarlbergs Metzgereien? Dieser Umstand ist bei einem Selbstversorgungsgrad von unter vier Prozent zwar nicht verwunderlich, sorgte vor wenigen Monaten dennoch für Aufsehen; zumindest die fehlende Kennzeichnung. Das Land verwies in der Diskussion auf die Marke „Ländle-Metzg“, die sicherstelle, dass das Fleisch aus Vorarlberg stammt. Doch so einfach ist es nicht: Die Bezeichnung gilt für Schweine-, Rind- und Kalbfleisch, das über die Theke verkauft wird. Hühnerfleisch und Wurst könnte auch in einer Ländle-Metzg aus einem anderen Land stammen. Thekenverkauf bedeutet, dass etwa beim Catering auch Schweinefleisch kein Vorarlberger Produkt sein muss. Kürzlich prüfte der Landesrechnungshof das zuständige „Ländle-Qualitätsmarketing“ (LQM). Er kritisiert eine fehlende Strategie, mangelnde Kontrolle, unklare Richtlinien und zu viele Marken: Vom Christbaum bis zum Riebel, 17 Markennamen führt das LQM. Der Landesrechnungshof empfiehlt, den Markenwirrwarr zu reduzieren und zu vereinfachen.
Das Ländle-Marketing gehört zu 100 Prozent der Landwirtschaftskammer, weshalb die Gesellschaft das Wohl der Bauern im Fokus hat. Gleichzeitig soll es für qualitätsvolle Lebensmittel sorgen. Für Eggler-Bargehr schließen sich die Interessen nicht aus: „Aber es könnte zum Konflikt kommen.“ Weit genauer als die Marken sind die Qualitäts- und Gütesiegel des LQM. Für sie gelten die Kriterien der 3G-Strategie. Für den Rechnungshof steht fest: „Das Ländle-Marketing sollte sich entscheiden, ob es strenge Kriterien festlegt oder die Marken für viele Bauern offen lässt.“ Die fehlende Strategie ist der Hauptkritikpunkt von Eggler-Bargehr: „Für wen arbeitet das Ländle-Marketing? Auf welche Absatzkanäle setzt es? Werden Erfolgskriterien definiert?“ Diese grundsätzlichen Fragen würden nicht gestellt: „Es fehlt ein Businessplan.“
Das Ländle-Marketing gehört der Landwirtschaftskammer, wird aber zu 70 Prozent vom Land finanziert: 925.000 Euro waren es 2016. Dennoch fehlen Steuerungs- und Kontrollelemente des Landes. Einem Förderungsansuchen müsse nicht einmal ein jährlicher Finanzbericht beigelegt werden. Das Land weiß also nicht, wie viel Geld vom Vorjahr übrig ist. „Das werden wir ändern“, erklärt Kammerpräsident Josef Moosbrugger auf VN-Anfrage. Er ist Eigentümer und Aufsichtsratsvorsitzender in einem, was der Rechnungshof ebenfalls kritisiert. Moosbrugger verspricht: „Wenn es Vorschläge zur Struktur gibt, werden wir uns dem nicht verschließen.“
Der neue Geschäftsführer wird damit beauftragt, einen Businessplan zu erstellen. Marcel Strauss übernimmt am 1. Juni. „Dann werden wir die 22 Empfehlungen des Rechnungshofs diskutieren“, erklärt Moosbrugger. Auch die Ländle-Metzg-Marke. Noch gibt es acht Ländle-Metzg-Betriebe – 2005 waren es 16. Das könnte auch ein Zeichen sein, dass die Kriterien sehr streng sind. Zumindest bei Schweine-, Rind-, und Kalbfleisch, das außerhalb von Stoßzeiten über die Theke verkauft wird.
Grundsatzfragen wurden nicht gestellt, ein Businessplan fehlt.
Brigitte Eggler-Bargehr