Weiterbau mit dem Segen des Herrn

Vorarlberg / 07.05.2017 • 17:18 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Generalvikar Rudolf Bischof und Tarzisio, Erzbischof von Lilongwe (l.), schnitten symbolisch ein Band durch.  Foto: Cordero/BSIN
Generalvikar Rudolf Bischof und Tarzisio, Erzbischof von Lilongwe (l.), schnitten symbolisch ein Band durch. Foto: Cordero/BSIN

Geburtenstation in Malambo zwar noch nicht fertig, aber schon eingeweiht.

Feldkirch, Malambo. (VN) Noch ist kein Babygeschrei zu hören, und noch sieht alles ein bisschen unfertig aus. Doch gut Ding braucht Weile, besonders in Afrika. Aber die Grundmauern stehen, und jetzt können die Bauarbeiten an der Geburtenstation, die der Buschambulanz in Malambo angeschlossen ist, mit kirchlichem Segen zu Ende gebracht werden. Dieser Tage weilte eine Delegation von „Bruder und Schwester in Not“ mit Generalvikar Rudolf Bischof an der Spitze in Malawi, um das mit maßgeblicher Hilfe aus Vorarlberg aufgebaute Projekt einzuweihen. Es wurde ein Fest für die ganze Region, die Menschen dort sowie die Gäste aus Österreich.

Vom Wasserloch zur Medizin

Malambo ist eine Ansiedlung in einem Gebiet, das den Eindruck macht, als ob es vergessen worden wäre. Gut 13 Flugstunden und mehr als drei Fahrtstunden auf staubigen, unbefestigten Straßen liegen zwischen hier und dort. Die Menschen ernähren sich buchstäblich von der Hand in den Mund. Was allerdings im Großteil des bitterarmen zentralafrikanischen Staates der Fall ist. Trotzdem darf sich Malambo glücklich schätzen, denn dort ist hochwertige medizinische Hilfe gewährleistet. Noch vor zehn Jahren gab es für die rund 50.000 Einwohner in der Region gar nichts. Als Markus Fröhlich, Projektkoordinator von „Bruder und Schwester in Not“, 2006 zum ersten Mal nach Malambo kam, war da nur ein Wasserloch inmitten eines verwilderten Areals. Heute stehen dort ein Wasserturm, Solaranlagen, Personalhäuser und die 2010 eröffnete Buschambulanz.

Tagtäglich suchen zwischen 50 und 150 Patienten die Station auf. Zu den häufigsten Diagnosen zählen Malaria sowie Durchfall- und Augenerkrankungen. „Besonders nach der Regenzeit häufen sich die Malariafälle“, erzählt Markus Fröhlich. Weggeschickt wird niemand. Die Schwestern vom Orden der Teresien Sisters behandeln alle, ob sie bezahlen können oder nicht. Dennoch ist der Zulauf stark von der Regen- und Trockenzeit geprägt. Nach der Regenzeit wird geerntet und verkauft. Vor allem der Anbau von Tabak sichert den Menschen für ein paar Monate ein kleines Einkommen von 20 bis 25 Euro monatlich. Dann steigen auch die Ambulanzfrequenzen. Wenn das bisschen Geld zur Neige geht, sinken sie wieder. Damit jedoch alle jederzeit Hilfe bekommen, unterstützt „Bruder und Schwester in Not“ die Buschambulanz jedes Jahr zusätzlich mit Medikamenten im Wert von rund 8000 Euro.

Ärzte für Malambo

Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Malambo die mit Abstand beste Behandlung bietet. „Die Leute kommen von überall her. Sie nehmen dafür immens weite Wege in Kauf“, weiß Markus Fröhlich. Denn in Malambo arbeitet ein Medical Assistant, was in etwa einem Turnusarzt entspricht. Dessen Ausbildung finanzierte der Dornbirner Allgemeinmediziner Robert Spiegel. Er hat noch mehr vor. So ist geplant, Kinder-, Haut- und Augenärzte für eine gewisse Zeit nach Malambo zu schicken. Dafür wurde extra ein „Austrian Staffhouse“ errichtet. Nun gilt es nur noch, die für 300 bis 400 Geburten ausgelegte Station in absehbarer Zeit fertigzustellen. „Aber das wird schon“, gibt sich Fröhlich zuversichtlich.

Leuchttürme der Bildung

Die Einweihung der Geburtenstation nahm das Team zum Anlass, auf weitere Projekte ein Auge zu werfen. Ein großes Anliegen ist die Bildung von Mädchen. In Nhikamenja etwa wird eine von den Rosary Sisters geführte Mädchenschule unterstützt. Über 1000 Mädchen kommen in den Genuss einer fundierten schulischen Ausbildung auf Oberstufen-Niveau. „Nhikamenja ist heute eine der anerkanntesten Schulen im Land“, kann Markus Fröhlich berichten. Schon 44 Mädchen haben es an eine Universität geschafft. Auch die Grundschule in Katete zählt zu den Leuchttürmen inmitten einer großen Tristesse. Insgesamt 1081 Schülerinnen, davon 97 Waisen, werden dort betreut. Als 2003 mit dem Aufbau begonnen wurde, war Katete eine Ruine. Doch mit Unterstützung vieler aus Vorarlberg und Liechtenstein entstand etwas Großes. „Katete wurde zu einer Eliteschule. Auch die Mittelschicht von Lilongwe schickt ihre Kinder lieber nach Katete“, sagt Markus Fröhlich. Seit 2010 gibt es zudem eine von Andrea und Erwin Reis betreute Patenschaftsaktion für Schülerinnen. Rund 140 Paten aus Vorarlberg unterstützen ebenso viele Kinder in Katete. 200 Euro kostet ein Schuljahr. „Geld, das nachhaltig wirkt, denn zahlreiche Mädchen schafften es dadurch bereits an die Schule in Nhikamenja“, freut sich Reis.

Generalvikar Rudolf Bischof war zum ersten Mal in Malawi. „Die Not hier ist groß, und wir können nicht alles beheben. Doch wir können Inseln wie Krankenhäuser und Schulen schaffen“, meint Bischof, der sich auch von der Größe der Projekte beeindruckt zeigte. Was er ebenfalls festgestellt hat: „Man muss dazuschauen, dass sie funktionieren.“ Nicht zuletzt deshalb ist Markus Fröhlich regelmäßig vor Ort.

Nhikamenja ist heute eine der anerkanntesten Schulen im Land.

Markus Fröhlich
Die Patenkinder in Katete durften sich über neue und leuchtend gelbe Sportshirts freuen. Foto: mohr
Die Patenkinder in Katete durften sich über neue und leuchtend gelbe Sportshirts freuen. Foto: mohr