Eh klar
Politiker-Rücktritt oder das 0:5 gegen den FC Kümmerling, egal: Das hat, sagt er, eh schon jeder kommen sehen. Mit einem mitleidigen Unterton sagt er das, einer wegwerfenden Gebärde, so ganz nebenbei. Die eigentliche Aussageabsicht freilich ist keineswegs nebensächlich: Mir war das seit je her sonnenklar, lautet sie, nur du Pfeife hattest wieder einmal keine Ahnung.
Ach die Welt steckt voller „Eh-schon-Wisser“. Überlegen stolzieren sie durch ihre Alltage und spülen das Heer der Ahnungslosen wie eine Bugwelle an den Straßenrand, weil sie eben nichts mehr beeindrucken kann. Selbst den atemberaubenden Vortrag eines Nobelpreisträgers würden sie nach kurzem Überlegen mit „eigentlich nix Neues …“ quittieren. Der Rest ist eine anderthalbfache Drehung um die eigene Achse (zwecks Bewunderung). Und weiter geht‘s. Zu neuen Ufern …
Aber die gibt‘s ja in diesem Weltbild gar nicht. Nichts Neues, keine Überraschung, niemals. Die plötzliche Freude einer unerwarteten Umarmung? „Typisches vegetatives Körpersignal.“ Das satte Grün im sanft-hügeligen Bregenzerwald? „Mit der Photosynthese seit Schulzeiten vertraut.“ Eben Schnee von gestern. Es war eh alles immer schon klar. So ein Leben muss furchtbar fad sein.
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