Die Krankheit von der Maus: Hantavirusinfektion droht

Gute Bedingungen für Nager. Auch in Österreich grassiert das Hantavirus verstärkt.
Dornbirn. Die Rötelmaus: so klein und doch Gesprächsthema. Grund sind die im benachbarten Baden-Württemberg festgestellten überdurchschnittlich vielen Infektionen mit Hantaviren, deren Überträger der kleine Nager ist. Seit Jahresbeginn wurden, wie die VN berichteten, dem Landesgesundheitsamt in Stuttgart bereits 464 Erkrankungen gemeldet. Auch in Österreich grassiert das Hantavirus offenbar wieder stärker als in den Vorjahren. Aus der Steiermark, Kärnten und dem Burgenland wurden laut MedUni Wien bereits 44 Infektionen mit dem Puumulavirus, einem Subtyp des Hantavirus, gemeldet. „Dabei handelt es sich glücklicherweise um die harmloseste Virussorte“, erklärt inatura-Biologe Klaus Zimmermann.
Nicht meldepflichtig
Da eine Infektion mit Hantaviren in Österreich nicht meldepflichtig ist, gibt es keine gesicherten Zahlen zu möglichen Krankheitsfällen. Solche dürften nach Meinung von Zimmermann aber auch in Vorarlberg vorkommen. Da die Symptome zumeist einem leichten grippalen Infekt ähneln, würden jedoch keine weiteren Untersuchungen vorgenommen. Ebenso wenig ist über die Virusbelastung der Rötelmäuse bekannt. Sicher ist sich Klaus Zimmermann in der Einschätzung, dass es den Tierchen in den Wäldern des Landes gut geht. Zum einen, weil es im vergangenen Jahr eine Buchenmast gab und Buchecker, die Hauptnahrungsquelle der Rötelmäuse, deshalb in rauen Mengen vorhanden sind. Zum anderen, weil sie sich sehr lange unter einer geschlossenen Schneedecke schützen konnten.
Mehrere Tage ansteckend
Die Rötelmaus, auch Waldwühlmaus genannt, gilt hierzulande als einziger Überträger der Hantaviren. Die Viren werden mit Speichel, Kot oder Urin ausgeschieden. Selbst in getrocknetem Zustand sind die Erreger noch mehrere Tage ansteckend. Das macht die Sache problematisch. „Denn meist wird das Virus mit aufgewirbeltem Staub eingeatmet“, nennt Klaus Zimmermann lange leer stehende Ferienhäuser, die bei Bezug gereinigt werden, als Beispiel. Das heißt, es braucht nicht den unmittelbaren Kontakt mit einem Tier, um sich einen Hantavirus einzufangen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist hingegen ausgeschlossen.
Wenige Behandlungsoptionen
Neben charakteristischen Grippesymptomen können bei einer Infektion auch Nierenentzündungen auftreten. „Diese Patienten sind dann ziemlich krank“, berichtet Primar Karl Lhotta, Leiter der Nephrologie im Landeskrankenhaus Feldkirch. Dort müssen immer wieder einmal Personen mit einer Hantavirusinfektion stationär behandelt werden. „Allerdings hatten wir noch keine Patienten, die sich die Infektion in Vorarlberg zugezogen haben“, ergänzt Lhotta. Als typisch für eine schwere Infektion bezeichnet er heftige Kopf-, Rücken- und Nierenschmerzen, hohes Fieber sowie Sehstörungen. In einem solchen Fall müsse an eine Hantavireninfektion gedacht werden. Eine medikamentöse Therapie ist nicht möglich. Schmerz- und fiebersenkende Mittel sind die einzige Option. „Die Infektion muss ausheilen“, betont der Arzt.
Als gefährdet für Hantavirusinfektionen gelten Personen, die sich häufig im Wald aufhalten, beispielsweise Forstarbeiter.
Meist wird das Virus mit aufgewirbeltem Staub eingeatmet.
Klaus Zimmermann
Stichwort
Hantaviren. Hantaviren kommen weltweit vor und lösen unterschiedlich schwere Krankheitsformen aus. Die Erreger werden über Nagetiere wie Mäuse und Ratten auf den Menschen übertragen. Verschiedene Nagetierarten verbreiten unterschiedliche Virustypen, meist ohne dabei selbst zu erkranken. Die Zahl der Krankheitsfälle beim Menschen schwankt von Jahr zu Jahr, vermutlich je nachdem, wie hoch der Bestand ist.