Was die Weltladen-Philosophie mit Natur- und Klimaschutz zu tun hat

Regionale Kleinbauern und Handwerkskooperativen arbeiten ressourcenschonend.
Wolfurt. Die Weltladen-Philosophie ist darauf ausgerichtet, Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Soziales in Einklang zu bringen. Nach dem Motto „Fairer Handel statt Almosen“ soll mit dem Kauf von Fair-Trade-Produkten den Produzenten ermöglicht werden, aus eigener Kraft ihre Existenz zu sichern, erläutert Hemma Bildstein vom Weltladen Wolfurt, den sie seit elf Jahren leitet.
Pro-Umwelt-Produktion
„Speziell werden Frauen beim Empowerment gefördert. Wir bieten eine zukunftsfähige und faire Alternative zu ungerechten Strukturen des Welthandels. Ich selbst bin durch eine engagierte Runde und als Kundin ehrenamtlich eingestiegen und bin nun seit elf Jahren Geschäftsführerin aus Überzeugung. Neben den sozialen Standards wird besonderes Augenmerk auf umweltverträglichen Anbau bzw. umweltschonende Herstellung gelegt“, führt Hemma Bildstein aus. „Viele fair gehandelte Lebensmittel sind z. B. biozertifiziert, aber auch im Handwerksbereich wird auf umweltverträgliche Produktion geachtet. So z.B. bei der Bekleidung durch den biologischen Anbau der Baumwolle oder Ökoledergerbung. Unsere Lederprodukte tragen zum Klima- bzw. Naturschutz bei. Unsere Produzenten sind großteils Kleinbauern bzw. kleine Handwerkskooperativen. Das bedeutet, dass die Rohstoffe nicht in Monokulturen angebaut werden. Die Bäuerinnen und Bauern erhalten Informationen und Weiterbildungen zu ganzheitlich nachhaltiger Landwirtschaft, betreiben oft eigene Samenbanken und bringen dadurch ihr eigenes Saatgut hervor.“
„Oft haben mir Produzenten im persönlichen Gespräch erzählt, dass neben dem fairen Lohn unsere Unterstützung in den Bereichen Weiterbildung, Designinputs usw. ein sehr hilfreicher und wichtiger Aspekt für ihre Arbeit im fairen Handel ist. Sie betonen, dass sich die langfristigen Partnerschaften, die ein bedeutendes Kriterium des fairen Handels sind, positiv auf ihre Lebensgestaltung auswirken.“
GOTS und Biobaumwolle
„Heuer im Februar habe ich die Chetna Farmers in Odissa in Indien besucht“, erzählt Hemma Bildstein. „Sie produzieren für uns die Biobaumwolle – ein riesiger Unterschied zum konventionellen Anbau. Der konventionelle Baumwollanbau belegt den 1. Platz im Ranking an verwendeten Pestiziden, Düngemitteln, Fungiziden usw. Auch der Wasserverbrauch ist gigantisch. Dem entgegen haben wir hier im Wolfurter Laden eine Vielfalt an Öko-Modelabels. Unser gesamtes Sortiment ist sehr breit: Es sind hauptsächlich Rohstoffe und Produkte, die nicht in unseren Breitengraden wachsen, also Kaffee, Schokolade, Gewürze, tropische Früchte in verarbeiteter Form, Reis, Baumwolle und vieles mehr.“ Fairer Handel garantiert, dass Bio drin ist, wo Bio draufsteht. „Bei den Lebensmitteln sind die gängigen Biokontrollinstitute wie Naturland bzw. das Bio-Austria-Siegel Garant dafür“, sagt Hemma Bildstein. „Die Einhaltung der fairen Konditionen wird u. a. von Flo Cert International, einer unabhängigen Institution, regelmäßig und unangekündigt überprüft. Weiters werden gegenseitige Evaluierungen gemacht. Es muss zwischen FAIRTRADE und dem fairen Handel unterschieden werden. Nicht jedes fair gehandelte Produkt hat auch ein Gütesiegel. Im Bekleidungssektor haben wir das strenge GOTS-Zertifikat.“ Das Ziel der Reisen in Herkunftsländer ist es, dass sich die Akteure des fairen Handels persönlich kennenlernen und austauschen können. „Ich konnte die Produktionsschritte unserer GOTS-Ware direkt erleben und erfahren, wie viel Arbeit dahintersteckt, die auch entsprechend wertgeschätzt werden muss.“

www.weltladen.at
www.global-standard.org