Suche nach Lösung für ausgeschlagene Zähne

Über „1450“ wird Zusammenarbeit mit niedergelassenen Zahnärzten angestrebt.
Schwarzach. Ausgeschlagene Zähne sind eine üble Sache, aber nicht unbedingt ein Fall für die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie im Landeskrankenhaus Feldkirch. Dennoch sieht sich die Abteilung von Primar Oliver Ploder vermehrt mit solchen Patienten konfrontiert. Um diesem Problem beizukommen, wird jetzt eine Versorgung über niedergelassene Zahnärzte im Rahmen der Gesundheitshotline 1450 angestrebt, wie Gesundheitslandesrat Christian Bernhard gegenüber den VN bestätigte. Ins Rollen gebracht hat den Stein unter anderem der Fall eines dreijährigen Buben aus Koblach.
Außerhalb der Dienstzeit
Es ist früher Abend und Ben spielt im Garten, als er auf der nassen Wiese ausrutscht und mit dem Gesicht auf eine zu Dekorationszwecken aufgestellte Metallwanne knallt. Der Kleine blutet stark, außerdem hat er sich die zwei vorderen Schneidezähne ausgeschlagen. Weil sich im Gemeindeblatt kein Hinweis auf einen zahnärztlichen Notdienst findet, kontaktieren die aufgewühlten Eltern die Rufnummer 142. Dort wird ihnen geraten, das Kind ins Landeskrankenhaus Feldkirch zu bringen. „Also packten wir unseren Buben ein und fuhren ins Spital, wissend, dass es dort auch eine Kieferchirurgie gibt“, erzählt die Mutter, Birgit Huber.
Da sich der Unfall jedoch außerhalb der regulären Dienstzeit der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ereignete, wird Ben, wie in solchen Fällen vorgesehen, von Ärzten der HNO-Abteilung übernommen, der festgestellte Oberkieferbruch aber erst am nächsten Tag operativ behandelt. „Man stirbt nicht, wenn zwei Zähne im Mund fehlen“, räumt Birgit Huber ein. Doch ein kleines Kind wieder heimzuschicken, sei ein Armutszeugnis. Es könne wohl erwartet werden, dass ein Kieferchirurg auf Abruf bereitsteht. Die Behandlung selbst bezeichnet sie als kompetent, das Personal als sehr nett. Den Ablauf hält die Mutter jedoch für dringend verbesserungswürdig.
Die Krankenhausbetriebsgesellschaft argumentiert, dass Behandlung und Diagnose fachgerecht erfolgten. Was den Notdienst betrifft, ist außerhalb der Regelarbeitszeit von Montag bis Donnerstag die HNO-Abteilung für kieferchirurgische Notfälle zuständig. Am Wochenende (Freitag bis Montag) besteht eine Rufbereitschaft der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Eine notwendige stationäre Behandlung sei aber jederzeit möglich.
Kaum Bedarf gegeben
Zahnschmerzen und zahnärztliche Behandlungen fallen in die Zuständigkeit des niedergelassenen Notdienstes. Laut Zahnärztekammerpräsident Gerhart Bachmann werden an Samstagen und Sonntagen 10 bis 20 Patienten behandelt. Einen Nachtdienst gibt es in keinem Bundesland. Vorarlberg ließ zumindest den Bedarf für die Zeit zwischen 20 und 7 Uhr erheben. Er lag bei drei Patienten pro Monat. Der finanzielle Aufwand dafür wäre nach Meinung von Christian Bernhard nicht zu rechtfertigen. Er hofft auf ein gutes Arrangement für Zahnschmerzgeplagte über die 1450.