Gratwanderung mit Weitblick

Vorarlberg / 14.07.2017 • 21:29 Uhr
Schritt für Schritt: Die Hängebrücke ist etwas für Wagemutige.
Schritt für Schritt: Die Hängebrücke ist etwas für Wagemutige.

Am Hochjoch erschließen 1750 Meter Stahlseil den längsten Klettersteig Vorarlbergs.

Schruns. Der Sommertourismus verlangt nach Superlativen. Wanderangebote allein reichen schon lange nicht mehr. Es muss ein bisschen mehr sein. Die Silvretta Montafon (SiMo) hat zu diesem Zweck sogar eine eigene Entwicklungsabteilung eingerichtet. Endrik Lengwenat ist ausschließlich dafür zuständig, den Sommer aufzupeppen. Seine Handschrift ist auch am Hochjoch oberhalb von Schruns sichtbar. Stand-up-Paddeling auf dem Kälbersee, das Seetalhüsli als Jausenstation wiederbelebt, und nun darf sich das Hochjoch auch noch rühmen, den längsten Klettersteig des Landes zu haben. Insgesamt 1750 Meter Stahlseil ziehen sich vom Einstieg unterhalb der Hochjochspitze (2524 m) bis zum Abstieg, der über den Hochalpilagrat erfolgt. Wer noch ein bisschen Nervenkitzel braucht, kann sich den auf der 60 Meter langen Seilhängebrücke holen.

Am Bau beteiligt waren neben Endrik Lengwenat auch Bergführer Manfred Sprung und Martin Marinac sowie Mitarbeiter der Silvretta Montafon und einige Montafoner Bergführer. Als die größte Herausforderung erwies sich das Wetter mit winterlichen Bedingungen noch bis in den Juni hinein. „Um das Eisen befestigen zu können, musste der Fels zuerst oft von teilweise meterhohem Schnee geräumt werden“, erzählt Lengwenat. Dazu kamen noch Gewitter mit Hagelschlag, die das Unternehmen erschwerten. Auch das Bohren der langen Passagen im Überhang verlangte Lengwenat und seinen Helfern alles ab. Trotz dieser Unbilden war das Projekt in knapp acht Wochen realisiert und der Klettersteig zum Start der Sommersaison fertig. „Wir wollten damit das Kletterangebot am Hochjoch erweitern“, erklärt Annika Hartmann von der Marketing­abteilung der SiMo.

Senkrecht zum Gipfel

So gesellte sich zum Klettersteig Kälbersee, dessen Durchquerung eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, nun eben der Klettersteig Hochjoch. Da ist jedoch ein bisschen mehr Kondition und Ausdauer gefordert. Vor allem, wenn die Variante 1 gewählt wird, wo zwei Felsplatten im Schwierigkeitsgrad C warten. Ab dem Seetalhüsli sind es 20 Minuten bis zum Einstieg. Von dort leitet das Stahlseil den Bergfreund fast senkrecht auf den Gipfel des Hochjochs. Die Abstiegsroute führt über den Hochalpila­grat, von dem aus sich ein fürwahr atemberaubender Blick über Rätikon, Verwall und Silvretta bietet. Dauer der Durchsteigung: vier Stunden. Höhenmeter: 450.

Eine Gratwanderung im wahrsten Sinne des Wortes ist Variante 2 mit dem Schwierigkeitsgrad B. Der Einstieg befindet sich bei der Bergstation der Hochalpilabahn. Der gesicherte Steig zieht sich über den Hochalpilagrat bis zum Gipfelkreuz des Hochjochs. Zurück geht es auf dem gleichen Weg. Auf keinen Fall, so die dringende Warnung, darf über die Variante 1 abgestiegen werden. Dauer dieser Tour: drei Stunden bei 100 Höhenmetern.

Kein Spaziergang

Angemerkt sei noch, dass die Begehung eines Klettersteigs nicht als Spaziergang betrachtet werden sollte. Ebenso wie beim Bergwandern braucht es eine gute Planung, eine ebensolche Technik und die entsprechende Ausrüstung. Beim Seetalhüsli können Klettersteigsets ausgeliehen werden. Zudem bietet Manfred Sprung jeden Montag ab 10 Uhr Klettersteigkurse vor Ort an (39 Euro). Die offizielle Eröffnung und Weihe des Klettersteigs Hochjoch wird übrigens am 12. August mit einem „Tag des offenen Klettersteigs“ gefeiert.

Zum Gipfelsieg gehört für Jaqueline auch ein Gipfelfoto.
Zum Gipfelsieg gehört für Jaqueline auch ein Gipfelfoto.
VN-Fotograf Philipp Steuer hat den Klettersteig Hochjoch auch noch aus einer ganz besonderen Perspektive aufgenommen.
VN-Fotograf Philipp Steuer hat den Klettersteig Hochjoch auch noch aus einer ganz besonderen Perspektive aufgenommen.
Am Klettersteig erschließt sich dem Bergfreund ein ganz besonderer Genuss. Fotos: Philipp Steurer
Am Klettersteig erschließt sich dem Bergfreund ein ganz besonderer Genuss. Fotos: Philipp Steurer
Gratwanderung mit Weitblick

Link zum Video: http://VN.AT/sucaWq