Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Nicht alles Gute kommt von oben

Vorarlberg / 18.07.2017 • 22:34 Uhr

Das Surren lässt den Badegast an ein Insekt denken. Wie er so in der Sonne döst, wischt seine Hand routinehalber fahrig übers Gesicht. Doch es surrt weiter. Er sucht seinen Traum zurückzuholen und dreht sich zur Seite, als ob er dort fündig würde. Aber der unangenehme Ton hat sich längst eingenistet in sein Ohr. Jetzt wird er mit einem Schlag höher, klingt irgendwie giftiger und näher. Es dauert noch ein Weilchen, dann hat er die Drohne ausgemacht, die etwa 15 Meter über seinem Badeplatz schwebt.

Mehr tut sie nicht. Oder macht sie etwa Bilder? Ein Video vielleicht? Bedeutet das kleine rote Blinklicht am Boden des Fluggeräts Aufnahme? Vielleicht sind ja die vier jungen Burschen, die sich lachend über ein Tablet beugen, die Piloten. Schauen sie nicht schon verdächtig lange zu ihm herüber? Längst sitzt er aufrecht da und jede erholsame Schläfrigkeit ist von ihm gewichen.

 

In Österreich wurden im Vorjahr geschätzte 40.000 Drohnen verkauft. Ob nun bewilligungspflichtig oder nicht, schweben sie da und dort über Liegewiesen und Vorgärten. Dieselbe Drohne, die fantastische Aufnahmen vom Marathonstart oder der Seebühne macht, könnte ebenso gut etwas fallen lassen. Das ist kein feines Gefühl. Und die verloren gegangene Privatsphäre ist vielleicht bald schon das kleinste Problem daran.

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