Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Das gibt es übrigens auch

Vorarlberg / 01.08.2017 • 19:24 Uhr

Aber nein, hier wird nicht geschossen. Da hat sich nur ein Wasserball mit einem Knall verflüchtigt. Niemand pöbelt. Keiner bringt sich mit einem Hechtsprung in Deckung. Das Badevolk aalt sich träge in der Nachmittagshitze. Kleine Helden geben große „Köpfler“ zum Besten. Eine Mama krabbelt kichernd ihrem Nachwuchs hinterher, der quer über die Liegewiese das Weite sucht. Von den fünf jungen Flüchtlingen nimmt niemand Notiz.

Warum auch? Sie kommen fast jeden Abend hierher. Wenn die meisten schon zusammenpacken, klettern sie nacheinander die Leiter hinab. Zwei schwimmen schon recht ordentlich. Die drei anderen bleiben in Ufernähe und spielen Fangen miteinander. Prustend und lachend, wie das Buben tun. Dabei sind die wenigstens 18 Jahre alt. Richtige Kindsköpfe halt. Ob es das Wort auch gibt in ihrer Sprache?

Der Eindruck, den sie an der Mole hinterlassen, ist scheu und höflich. Und das ist auch schon alles. Erzählt werden muss es trotzdem, weil eben niemand schießt und sich keiner in die Luft sprengt. Sie rufen auch nicht „Allah ist groß“, wenn sie ins Wasser steigen. Es fürchtet sich tatsächlich niemand. Der großen Entfremdung auf dem Weltparkett stemmt sich hier eine zarte Annäherung entgegen. So beendet kein Blutbad, sondern ein gegenseitiges „Schönen Abend noch“ fast schon rituell die regelmäßige Begegnung.

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