Alles beliebig
Wenn dieser Wahlkampf am kommenden Sonntag zu Ende geht, prangt ein Sittengemälde an der Wand, das die Gerichte nicht werden wegwischen können. Namen und Gesichter werden durch die Gazetten treiben, aber der Sturm der Entrüstung wird die eigentliche Angeklagte nicht einmal ins Zittern bringen: Es ist die eigene Beliebigkeit.
Ein begnadeter Verkäufer versteht es, alles unters Volk zu bringen. Ganz egal ob Schuhe oder Autos oder Versicherungspolizzen. Sein Herz hängt nicht an den Dingen. So wie einer bei Regierungsumbildungen ja auch mal Unterrichtsminister, dann wieder fürs Heer zuständig ist …
Dieses Prinzip des Marktes, der nur ans Verkaufen glaubt, hat die Gesellschaft durchwirkt wie Farbe ein Stück Leinen. Werber biedern sich jeder noch so gegensätzlichen Ideologie an. Politiker wechseln die Parteien wie die Hemden. Anhänger kann man sich im Internet kaufen. Überzeugungen sind nur noch eine Preisfrage. Egal, wer am Sonntag die Wahl gewinnt. Die Beliebigkeit regiert das Land.
Thomas Matt
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