Mehr Ruhe für das Birkhuhn

Vorarlberg / 25.01.2018 • 19:17 Uhr
Max Löther ist ständig mit dem passenden Werkzeug im Rucksack unterwegs. naturpark nagelfluhkette
Max Löther ist ständig mit dem passenden Werkzeug im Rucksack unterwegs. naturpark nagelfluhkette

Die Besucherlenkung durch eine flexible Beschilderung am Riedberger Horn funktioniert.

Hittisau Das Riedberger Horn im Naturpark Nagelfluhkette ist 1787 Meter hoch und ein Paradies für Skitourengeher und Schneeschuhwanderer. An schönen Tagen stürmen bis zu 200 Wintersportler die höchste Erhebung in den Allgäuer Alpen. Auch viele Vorarlberger haben den in Grenznähe befindlichen Berg für sich entdeckt. Des einen Freud ist aber zuweilen des andern Leid. In diesem Fall mischte der Ansturm das dort beheimatete Birkwild gehörig auf.

„Teilweise marschierten die Leute direkt an den Tieren vorbei, oft wurden diese sogar in der Balz gestört“, berichtet Ranger Max Löther. Er hat auch festgestellt, dass der Besucherdruck gerade auf schneesichere und leicht erreichbare Berge ansteigt. Um trotzdem ein gutes Miteinander von Mensch und Natur zu gewährleisten, ist Lenkung gefragt. Im Naturpark Nagelfluhkette wird auf Information statt Verbote gesetzt. So weist seit der heurigen Wintersaison eine sogenannte flexible Beschilderung den Tourengehern am Riedberger Horn den rechten Weg.

Stabile Population

„Bei der flexiblen Beschilderung werden je nach Schneelage und Aktivitätsphase der Wildtiere unterschiedliche Bereiche beruhigt“, erklärt Max Löther. Am Riedberger Horn steht das Birkwild im Fokus. Es handelt sich um eine stabile Population von 10 bis 15 Tieren. Während der Dämmerungsstunden kommen die Birkhühner aus ihren Verstecken, um sich an Grünerlenbüschen gütlich zu tun. „Sie fressen die aus dem Schnee ragenden Knospen der Triebe. Am Winteranfang liegen viele Grünerlen noch frei und werden von den Tieren genutzt. Dann macht es Sinn, diese Bereiche mit Hilfe von Schildern zu beruhigen. Mit zunehmender Schneelage werden die Sträucher überdeckt und dienen nicht mehr als Nahrung, das Gelände kann dann wieder befahren werden“, nennt Löther ein Beispiel für flexibles Handeln.

Auf die Freiwilligkeit allein wollen sich die Ranger nicht verlassen. „Das würde vermutlich nur schwer akzeptiert“, meint Carola Bauer. Deshalb wollen die Verantwortlichen jene Flächen, die auf freiwilliger Basis nicht betreten werden sollen, so klein wie möglich halten. „Die sind dann aber wirklich notwendig“, ergänzt Bauer. Dazu zählt etwa das Wald-Wild-Schongebiet unterhalb des Gipfels, welches den ganzen Winter über als Versteck dient und aus diesem Grund nicht begangen werden sollte. „Das Wild wird aufgeschreckt und verliert bei der Flucht lebensnotwendige Energie“, begründet Max Löther.

Diese Strategie der Besucherlenkung scheint zu funktionieren. „Wir haben in diesem Winter erst zwei Spuren in ausgeschilderten Schutzgebieten gesehen. Früher waren es viele“, erzählt Löther. Carola Bauer berichtet von “lustigen” Besuchern, die zu Beginn des Winters Schilder beschädigt oder umgedreht hätten, doch das seien einzelne Ausreißer gewesen. Ansonsten gehe der Plan für das Riedberger Horn und das dort lebende Birkwild sehr gut auf. Auch die starke Vor-Ort-Präsenz der Ranger, zu denen neben Bauer und Löther noch Florian Heinl gehört, trägt offenkundig zu einem besseren Verständnis und Miteinander bei.

Umstrittenes Liftprojekt

Im Sommer gibt es weniger Probleme zwischen Mensch und Birkhuhn, denn die Bereiche abseits der Wanderwege sind zu stark verwachsen, als dass es ein bequemes Durchkommen gäbe. Für mehr Erschütterung am Riedberger Horn könnte allerdings eine geplante und von der bayerischen Staatsregierung im Rahmen eines Landesentwicklungsprogramms auch bereits genehmigte Skischaukel sorgen. Beim Naturpark Nagelfluhkette hält man sich aus den zum Teil emotional geführten Diskussionen heraus. Natur- und Umweltschutzorganisationen haben jedoch bereits Widerstand angekündigt.

„Der Besucherdruck auf schneesichere und leicht erreichbare Berge steigt enorm.“