S-18-Entscheidung nicht vor 2020

Vorarlberg / 26.01.2018 • 19:24 Uhr
Schon vor fünf Jahren gab es Bodenerkundungen im Schweizer Ried. VN/Steurer
Schon vor fünf Jahren gab es Bodenerkundungen im Schweizer Ried. VN/Steurer

Asfinag kündigt umfassende Untersuchungen des Riedgebiets an.

Widnau  Agglokonferenz Rheintal nannte sich das, was am Freitag zahlreiche Experten und Politiker der Schweiz und Österreichs ins Hotel Metropol nach Widnau brachte. Damit ist ein kantons- und landesübergreifendes Siedlungs- und Verkehrsprogramm der Kommunen diesseits und jenseits des Rheins gemeint. Vom Gelingen des Projekts hängt für die Schweizer Kommunen ab, ob sie vom Staat Fördergelder für Entwicklungsprojekte bekommen.

„Es tut sich was“

Vom sperrigen Begriff Agglomeration war der Schwenk gleich zu dem gefunden, was die Gemüter vor allem im Rheintal auf österreichischer Seite am meisten bewegt: zur vorgesehenen Entlastungsstraße S 18. „Wir brauchen sie“, waren sich Jürg Röthlisberger (Direktor Schweizer Bundesamt für Straßen), Reto Friedauer (Präsident Verein Agglomeration Rheintal), Thomas Ammann (Schweizer Nationalrat), Marc Mächler (Regierungsrat Kanton St. Gallen) und der Vorarlberger Verkehrs- und Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser einig.

Dass sich beim Straßenprojekt nichts tut, sei falsch, meinte Asfinag-Experte Günter Fritz. „Wir haben im vergangenen Jahr europaweite Ausschreibungen für Planungsarbeiten im sensiblen Riedgebiet mit einem finanziellen Rahmen von mehreren Millionen Euro vorgenommen“, informierte Fritz. Das alles brauche Zeit. 2018 werden laut Fritz im sensiblen Naturgebiet weitere umfassende Grundlagenforschungen durchgeführt. So sind unter anderem 150 Bohrungen geplant, um die Beschaffenheit des Bodens genauestens abzubilden. „Wir werden auch Klimadaten erfassen und die Erfassung der Pflanzen- und Tierwelt auf den aktuellsten Stand bringen“, kündigt Fritz an. Die Asfinag hat Ende 2016 den Regierungsauftrag erhalten, Vorplanungen für eine Entlastungsstraße durchzuführen und damit die Voraussetzungen für einen positiven Ausgang der Umweltverträglichkeitsprüfung zu schaffen. „Eine Trassenentscheidung fällt aber erst 2020“, weist Fritz darauf hin, dass die Umsetzung des mit bis zu 900 Millionen Euro budgetierten Projekts noch viel Zeit brauchen wird.

CP oder Z

Stichwort Trasse: Wie schon mehrmals berichtet, sind als Entlastungsstraße nach dem Mobil-im-Rheintal-Planungsverfahren nur noch zwei Varianten übrig geblieben: die CP-Variante einer Ostumfahrung Lustenau und die Z-Variante durchs Ried, die als Wunschlösung gilt.

„Geschwindigkeit schaut anders aus“, räumte der Vorarlberger Verkehrs- und Wirtschaftslandesrat ein, der dies vor allem auf die sensiblen Verhältnisse im betroffenen Gebiet zurückführt. Jenen, die an der technischen Durchführbahrkeit einer Straße in sumpfigem Gelände zweifeln, hält Rüdisser entgegen: „Wenn man heutzutage eine unterirdische Verbindung durchs Meer von Frankreich nach England herbringt, dann werden wir bei uns drei Kilometer Sumpf wohl auch schaffen.“

Es gibt auch andere

Die Notwendigkeit einer leistungsstarken Straßenverbindung im Rheintal betonten auch die Schweizer Politiker. „Wir sind von diesem Projekt überzeugt und glauben an seine Umsetzung“, sagte etwa Marc Mächler, Regierungsrat des Kantons St. Gallen. Dem schloss sich unter anderem auch der St. Margrethener Bürgermeister Reto Friedauer an, seines Zeichens auch Präsident des Vereins Agglomeration Rheintal. „Wir brauchen diese Verbindung auch, um auf den jetzt überlasteten Verkehrswegen Platz für umweltfreundliche Mobilität schaffen zu können.“

Zusätzliche Entlastung soll den verkehrsgeplagten Rheintalern auch die „Netzstrategie Mittleres Rheintal“ als kleinräumige Verkehrslösung bringen. Doch eines ist allen Beteiligten klar: „Wir leben in einem Rechtsstaat, in dem es auch Menschen gibt, die anderes wollen, und denen Möglichkeiten offen stehen, Dinge anzufechten“, machte Rüdisser deutlich.