Schrittweise
Zwar kommt man meistens im Gedränge einer kleinen Tanzfläche über ein wenig Gehopse nicht hinaus, und die Tuchfühlung beschränkt sich dabei längst nicht auf die beiden Tanzpartner. Aber mitunter geschieht es doch …
Gelegentlich kann man beobachten, wie zwei sich ausklinken aus der Massenveranstaltung. Sie bewegen sich abseits, irgendwo. Haben die Welt um sich herum vergessen, und mit ihr all die mühsam einstudierten Schritte. Die zwei lassen sich regelrecht in die Musik fallen, ihre Beine sind zu einem eigenen Leben erwacht, ihre Füße beginnen, eine Geschichte aufs Parkett zu schreiben. Ihre Geschichte.
Sie spielen miteinander. Ohne Worte. Hingebungsvoll und widerspenstig, drängend und zögerlich, erst flüchtend, und schon im nächsten Augenblick entgegenkommend. Denn die Geschichten der Menschen sind niemals gerade. Aber sind sie deshalb weniger schön? Wer die Irrungen und Wirrungen in Vollendung sehen will, kann auf Modernismen gut verzichten. Er wird beim guten, alten Tango fündig werden.
Thomas Matt
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