Vier Monate von der Schule krankgeschrieben

Vorarlberg / 12.03.2018 • 18:26 Uhr
Vier Monate von der Schule krankgeschrieben

Langes Warten auf Platz in der kinderpsychiatrischen Tagesklinik.

Rankweil Fast vier Monate wartete ein Zehnjähriger auf einen Platz in der kinder- und jugendpsychiatrischen Tagesklinik in Bregenz. Der Bub leidet unter anderem an ausgeprägter Hyperaktivität. Ein Kinder- und Jugendpsychiater hatte in krankgeschrieben, weil er nach Aussage des Schuldirektors im Klassenverband nicht mehr tragbar war. Den Großteil der Zeit verbrachte der Bub zu Hause. Dass er unlängst in der Tagesklinik, die im Marianum untergebracht ist, aufgenommen wurde, ließ Großmutter und Eltern aufatmen. Primaria Maria Veraar, Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Landeskrankenhaus Rankweil, bestätigt die langen Wartezeiten in Bregenz. Dort ist mit durchschnittlich 80 Tagen auch die Aufenthaltsdauer am längsten. Gesundheitslandesrat Christian Bernhard erklärte auf VN-Nachfrage: „Wir wissen um das Problem und werden reagieren.“ Er verweist auf das geltende Psychiatriekonzept, laut dem in den nächsten zwei Jahren ein Ausbau der ambulanten Betreuungsplätze erfolgen soll.

Steigender Bedarf an Therapien

Derzeit verfügt die Kinder- und Jugendpsychiatrie über insgesamt 34 Plätze. Jeweils zehn gibt es auf der Kinder- und Jugendstation, vier in der Tagesklinik in Rankweil und acht in jener in Bregenz. Dazu kommen noch zwei Plätze für Akutaufnahmen. Allerdings wächst der Bedarf. „Bereits ein Viertel der Kinder und Jugendlichen benötigt eine kurz- oder längerfristige Behandlung“, zitiert Maria Veraar aus einer aktuellen Studie. Die häufigsten Diagnosen sind Angststörungen, Depressionen, Hyperaktivität sowie Störungen des Sozialverhaltens. „Die Belastungen für die Kinder nehmen zu, gleichzeitig wird ihre Belastbarkeit geringer“, nennt Veraar die Gründe dieser Entwicklung. So müssen teilweise schon Sechsjährige stationär aufgenommen werden. Bis 17 ist die Kinder- und Jugendpsychiatrie zuständig, ab 18 die Erwachsenenpsychiatrie.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Abteilung 1746 Patientenkontakte und 432 Aufnahmen. Die Aufenthaltsdauer hängt vom Standort ab. Mit 13 Tagen am kürzesten ist sie auf der Akutstation. „In diesem Bereich haben die Vorstellungen allerdings enorm zugenommen“, merkt Veraar an. Kinder bleiben durchschnittlich 60, Jugendliche 30 Tage stationär. In der Tagesklinik in Rankweil beträgt der Aufenthalt etwa 40 Tage und in Bregenz 80. Das hängt laut Veraar mit dem psychotherapeutischen Schwerpunkt zusammen, der dort angeboten wird. Daraus resultieren auch die mit rund drei Monaten längsten Wartezeiten. In allen anderen Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie seien die Wartezeiten überschaubar.

Nachjustierungen

Es werde versucht, möglichst viel an Therapie ambulant durchzuführen, betont Maria Veraar. Im Falle des Buben vermutet sie, dass die medizinische Indikation für eine Aufnahme in die Tagesklinik sprach. Personell sieht sie die Kinder- und Jugendpsychiatrie gut aufgestellt. Acht Mediziner, davon vier Fachärzte, kümmern sich um die jungen Patienten. Auch mehr Betten soll es laut dem regionalen Strukturplan geben. Ihre Zahl wird bis 2025 um 13 aufgestockt. Eine Nachjustierung im tagesklinischen Bereich, den die Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie ebenfalls für erforderlich hält, soll noch heuer Schritt für Schritt erfolgen. In der Kinderpsychiatrie werden dann im Endausbau etwa 200 Kinder versorgt, 2017 waren es 140 Kinder. Die Jugendpsychiatrie bei pro mente wird im Laufe des Jahres auf 700 Jugendliche ausgebaut (bisher 600). Die Standorte sind bei pro mente in Dornbirn und Nenzing geplant.

„Die Belastungen für Kinder nehmen zu, ihre Belastbarkeit wird aber geringer.“