Ein falscher Kreditvermittler

26.03.2018 • 20:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte nutzte die Blauäugigkeit seiner Opfer aus. Eckert
Der Angeklagte nutzte die Blauäugigkeit seiner Opfer aus. Eckert

Gefängnisstrafe für Betrüger, der vortäuschte, viel Geld besorgen zu können.

Feldkirch Der 43-Jährige hat drei Vorstrafen, 70.000 Euro Schulden und ist in Invaliditätspension. Zudem hat er drei Monate Haft offen. Nun ist er am Landesgericht Feldkirch als Angeklagter mit dem nächsten Vorwurf konfrontiert, dieses Mal geht es um gewerbsmäßigen schweren Betrug. Obwohl er sich zunächst zu fünf von sieben Fällen geständig zeigt, dauert das Verfahren lange und ein knappes Dutzend an Zeugen wird befragt. Am Ende das Urteil: zwei Jahre und drei Monate Haft.

Beliebte Masche

Die Vorgangsweise war immer die gleiche, schließlich funktionierte sie wie am Schnürchen. Der Angeklagte hatte Kontakt zu verschiedenen Männern, die so wie er aus der Türkei stammen und die in Geldnot waren.

Der eine brauchte einen Kredit für sein Geschäft, der andere für eine Hochzeit. „Ich kann dir einen raschen Kredit vermitteln, allerdings muss man die Leute von der Bank schmieren“, erzählte er einem jungen Selbstständigen, der einen Liquiditätsengpass hatte. Der Mann hätte 35.000 Euro benötigt. Von Anfang forderte der Betrüger Zahlungen für die Organisation des Geldes. Zusätzlich wollte der falsche Vermittler 50 Handys, was ihm offenbar ein Leichtes schien, da das Opfer in der Telefonbranche tätig war.

Als der junge Mann wegen der ständigen Forderungen keinen Kredit mehr wollte, kam der Betrüger auf eine andere Idee. „Weil ich vom Kredit zurückgetreten war, musste ich nun 2500 Euro Strafe zahlen“, berichtet der Betrogene von den kriminellen Machenschaften. Der junge Selbstständige beziffert seinen Schaden mit rund 50.000 Euro für die Handys plus das Geld, das der Mann in bar von ihm erhalten hatte.

Große Blauäugigkeit

Verteidiger Manuel Dietrich hält es für unglaubwürdig, dass Menschen, die ohnedies Geld benötigen, derart große Zahlungen im Voraus leisten konnten. Auch der Schöffensenat wundert sich über eine derartige Blauäugigkeit. „Aber die Menschen hofften bis zuletzt, einen Kredit zu erhalten“, heißt es in der Begründung. Völlig befremdlich, aber trotzdem glaubwürdig hält der Senat die Aussage diverser Zeugen, die angeben, dass sie zu falschen Rückzahlungsbestätigungen gezwungen wurden. Jeder zweite Zeuge berichtet, dass ihn der Angeklagte unter Druck gesetzt habe, bis sie ein Schreiben aufsetzten, in dem stand: „Ich schulde ihm kein Geld und er mir nicht. Alle Forderungen wurden beglichen.“ Vom Angeklagten, dem ein Schaden von rund 90.000 Euro zur Last gelegt wird, können die Opfer theoretisch rund 46.000 Euro zurückfordern, doch praktisch wird dies scheitern. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. EC