Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Ordnung machen

Vorarlberg / 27.03.2018 • 18:57 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wie der Blitz fährt die Absicht in die Frühjahrsmüdigkeit und schon tobt man durchs Haus: Kleiderschränke kippen ihr Innerstes nach außen, Bücherstapel werden instabil, alles wird anders. Wer räumt, wird sich des eigenen Besitztums bewusst. Das ist eine erschreckende Erkenntnis. Vor allem, wenn die nagelneu verpackten Waren zum Vorschein kommen, die das vergangene Jahr ungebraucht überstanden haben.

Schon komisch. Man hatte sie unbedingt haben müssen. Das Leben erschien nahezu sinnlos ohne sie. Als Belohnung? Trost? Befriedigung einer spätpubertären Anwandlung? Jedenfalls tauchen sie alle wieder auf, die in Vergessenheit geratenen Lustkäufe von einst. Und jetzt?

Entfalten sie ihren Reiz ein letztes Mal für die Dauer eines Wimpernschlags. Dann werden sie Alltag … wie all das andere. Man sollte die Gnade haben und sie einfach fürs nächste Jahr erneut zu verstecken, als beständige Osterüberraschung. Dann wären sie nicht ganz umsonst erworben worden.

Thomas Matt

redaktion@vn.at