Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Ein Privileg

Vorarlberg / 24.04.2018 • 21:16 Uhr

Gäste sind da. Herrje, was zeigt man denen? Kommen aus einer großen Stadt. Mit Kathedralen und gekrönten Häuptern. Jeder Straßenzug atmet dort Geschichte. Die Häuser tragen Namen. Nicht „Wises Kaspars Hus“, sondern ehrwürdige Namen mit wenigstens einem Adelstitel. Was zeigt man denen bloß?

Der Weg führt dann vom letzten Schnee auf der Faschina durch den Frühling im Bregenzerwald hinein in den ersten Sommertag am Bodenseeufer. Sie weiden ihre Blicke auf satten Feldern, bewundern gepflegte Bauernhäuser, lassen sich einhüllen von einer ungekünstelten Gastfreundschaft.

Sie hören Geschichten. Wandern in Gedanken mit den Barockbaumeistern aus Au zu den großen Baustellen der Welt, reisen mit Angelika Kauffmann nach London und Rom. Stehen am Ende vor er Wäldartracht im Schwarzenberger Museum gerade so andächtig, als betrachteten sie ein Gemälde im Prado in Madrid. Man vergisst gern, in welchem Paradies wir zuhause sind. Die Gäste gehen ja wieder. Wir dürfen bleiben. Was für ein Privileg.

Thomas Matt

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