„Kooperativ und unproblematisch“

25.04.2018 • 16:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Laut Verfassungsschutz gehen von der ATF-Moschee in Hard derzeit keine Probleme aus.

Schwarzach Wie viel Politik darf sich in einer Moschee abspielen? Die islamische Glaubensgemeinschaft Österreichs (IGGÖ) hat eine klare Antwort: gar keine. Von niemandem. Dies habe man bereits 2016 in einer Aussendung klargestellt, heißt es aus der IGGÖ. Nun muss sie es erneut tun. Grund dafür sind Berichte der Wiener Stadtzeitung „Falter“ und der VN über Fotos aus Moscheen der ATF, die Kinder und Jugendliche beim Wolfsgruß zeigen. Und dieser Gruß ist genau das: politisch. Der Wolfsgruß ist das Erkennungszeichen der Grauen Wölfe, einer türkisch-nationalistischen Gruppe, die der nationalistischen türkischen Partei MHP nahesteht. Abdi Tasdögen, IGGÖ-Vizepräsident aus Vorarlberg, betont auf VN-Anfrage: „Problematisch und missverständlich einzuordnende Gesten und Zeichen haben zu unterbleiben, auch wenn die Intention dahinter im hiesigen Kontext eine andere sein mag.“

Der Kontext ist es, der für Aufregung sorgt. Ist der Wolfsgruß in Vorarlbergs Moscheen in Hard und Dornbirn faschistisch einzuordnen? Fix ist: In der Vergangenheit traten manchmal Jugendliche, die den Vereinen nahestehen, als Provokateure gegen Veranstaltungen von Kurden auf. Zudem organisierte eine Gruppe eine Demonstration gegen die Armenierresolution.

Bei den beiden Moscheen handelt es sich um zwei der vier Vorarlberger Vereine der Türkischen Föderation (ATF). Für Tasdögen steht fest: „Die in Vorarlberg erwähnten Einrichtungen sind mir gut bekannt. Die im ‚Falter‘ angedeuteten extremistischen Tendenzen treffen überhaupt nicht zu. Wir haben im Ländle keine Probleme.“ Er fügt aber an: „Dennoch erwarten wir uns eine klare und unmissverständliche Stellungnahme von der Türkischen Föderation.“

Unter Beobachtung

Den Behörden sind die Umtriebe nicht verborgen geblieben. Der Verein steht schon länger unter Beobachtung des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT). Im Februar, im März und zuletzt am 13. April haben Beamte des LVT den Verein besucht. Urteil der Verfassungsschützer: Der Verein sei sehr kooperativ und derzeit unproblematisch.

Vorarlbergs Integrationslandesrat Christian Gantner (ÖVP) habe sich bereits am Dienstag nach Hard begeben, um mit den Verantwortlichen zu sprechen, erklärt er im Gespräch mit den VN. „Mir wurde mitgeteilt, dass der Verein vermehrt Schwerpunkte im Bereich der Deeskalation setzt.“ An Tagen von einschlägigen Demonstrationen versuche er zum Beispiel, durch eigene Veranstaltungen Jugendliche davon fernzuhalten. Der Landesrat habe aber klargestellt, dass öffentliche Provokationen dieser Art nicht geduldet würden. Die Polizei habe ihm gutes Einvernehmen bestätigt. „Derzeit gebe es keine Probleme.“ Den Dornbirner Gebetsverein habe er noch nicht besuchen können. Auch er würde vom Verfassungsschutz beobachtet. „Wie alle Vereine der ATF“, sagt Gantner.

Auch der Integrationsausschuss im Landtag beschäftigte sich am Mittwoch mit diesem Thema. FPÖ-Abgeordneter Christof Bitschi stellte anschließend fest: „Diese Vorfälle zeigen mehr als deutlich auf, dass die Integration in vielen Bereichen in Vorarlberg gescheitert ist.“ Auch Vahide Aydin von den Grünen sagt: „Die in den Medien geschilderten türkisch-nationalistischen, militaristischen und verfassungswidrigen Praktiken mit Kindern in diversen Moscheen Österreichs sind nicht zu tolerieren.“ VN-mip

„Mir wurde mitgeteilt, dass der Verein Schwerpunkte im Bereich der Deeskalation setzt.“

„Die angedeuteten Tendenzen treffen nicht zu. Wir haben im Ländle keine Probleme.“